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Autor Thema: Ab wann ist man als direkter Deutscher "rude"  (Gelesen 13284 mal)
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katrinsche
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« Antwort #165 am: 03. Juli 2009, 15:29:32 »

Ich find's eigentlich nett, und mag so ein bisschen Small Talk. Ich find's auch nicht unbedingt verlogen, sondern es ist halt ein Zeitvertreib. Und ob ich den Small Talk mit wildfremden Menschen an der Bushalte-Stelle habe, oder in irgendwelchen Internet-Foren ist doch völlig egal.
Die können sich ja auch alle gerne die Zeit vertreiben, aber bitte die eigene, und nicht meine. Selbst mir fällt es schwer, die nötige Ignoranz aufzubringen, mit der ich versuche, solch Plaudertaschen abzuwehren.

Und genau da ist doch der Unterschied zwischen Bushaltestelle und Internetforum. Ich kann mich hier dem Small Talk entziehen und meinen Senf nur dazu geben, wenn es zielgerichtet ist (meistens, auch ich verfalle dem off topic). Desweiteren ist das sich im Forum aufhalten ja die eindeutige Einladung zum Quatschen, wer also hier ist, will das auch. Ganz im Gegenteil zu mir auf dem Weg zur Arbeit, ich muss das notgedrungen machen, will aber nicht belästigt werden.

Nun ja, als Ruhrgebietskind bin ich diese Mentalitaet des kleinen Quaetschens sicher eher gewohnt, die gibt es in DE naemlich durchaus auch. Ist auch genau das, wass ich immernoch an diesem Land liebe, und auch in den meisten suedlichen Laendern gerne mag. Empfinde ich absolut nicht als unnuetz, sondern als eine sehr nette Art der sozialen Interaktion zwischen Menschen. Dieses sture Pochen auf Kommunikation nur dann, wenn sie einen zielgerichteten, sofort erkennbaren Grund hat befremdet mich enorm. Eben Metalitaetssache.
Mag stimmen, ich bin ursprünglich aus dem Schwabenland, wenn auch Berlin-verwässert. Im Schwäbischen spricht man nicht unnötig und mag Fremde eh nicht.  icon_lol Das Gute ist allerdings, dass ich nicht erwarte, auch nach einem Jahr nicht, hier willkommen zu sein, das geht gegen meine Erziehung!

Nun aber wieder on topic, ich finde ja schon, das man sich anpassen muss, das habe ich auch von Immigranten in Deutschland erwartet. Wenn allerdings die Arbeit darunter leidet, dass man sich total verbiegen muss, dann stimmt was nicht. Ich bekomme das ja selbst live mit, die Kollegen um mich herum haben größte Schwierigkeiten, ihre Arbeit qualitativ und zeitnah zu erledigen, weil sie kulturelle Unterschiede (speziell im Umgang mit den Kollegen in den deutschsprachigen Büros) nicht berücksichtigen, sondern allen diese schleimige, bevormundende Art aufzwängen.  Und bei Natti war es doch so, dass ihre und die Arbeit des Kollegen gelitten hat, bis sie endlich mal Klartext geredet hat. Mag ja vielleicht nicht die feine englische Art sein, aber doch unbestreitbar effektiv. Sie kann nun arbeiten und der Kollege wird sich wohl zusammenreißen.
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RuebenSuesschen

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« Antwort #166 am: 03. Juli 2009, 15:54:34 »

@Katrinsche: Ich hoffe du liest das nochmal in 5 oder 10 Jahren, wenn du dann noch immer ausserhalb Ds. leben solltest. Ich wette du wirst dann denken: "Oh, wie konnte ich nur".
Nen Kommentar werde ich mir ersparen und setze dagegen auf Zeit und Lern/Anpassungsfaehigkeit.
 
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Opa wuerde hundertjaehrig - stets trank er Degraa obergaerig. Oma wurde hundertzehn - hatte Degraa nie gesehn.
Deutsche In London
« Antwort #166 am: 03. Juli 2009, 15:54:34 »

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« Antwort #167 am: 03. Juli 2009, 17:23:37 »

Das ist doch aber das total Nervige hier in Yorkshire (oder ist das nur in Sheffield so?). Du wartest unschuldig auf den Bus (wie immer 20 Minuten keiner usw.) und schon schwafelt dich irgendein wildfremder an: "hot, i'nt it, lovey" und das ist erst der Anfang. Da möchte ich einfach nur die unhöfliche Deutsche raushängen und mein Gegenüber bitte, es aufzuschreiben und an jemanden zu schicken, den es interessiert und der sich nicht daran stört, ständig mit Kosenamen angesprochen zu werden.

Ich denke, bei solchen Gesprächen kommt es drauf an, wie sie geführt werden. Die plump-vertrauliche Art ist mir auch äußerst unangenehm, vor allem, wenn jemand nach kurzer Zeit merkt, daß ich nicht "von hier" bin und dann womöglich Fragen nach meiner Herkunft folgen. Ist aber eher selten.

Gegen einen kurzen, unverbindlichen Small Talk dagegen habe ich gar nichts. Das kann manchmal die Stimmung in einer angespannten Situation verbessern.
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« Antwort #168 am: 03. Juli 2009, 19:29:57 »

Wow, an unterschiedlichen Standpunkten mangelt es diesem Threat auf jeden Fall nicht!

Ich persönlich bin in London als rude empfunden worden, wenn

- ich Leute auf der Arbeit früh morgens oder Freitags nach 3 Uhr auf ein arbeitsbezogenes Problem angesprochen habe
- ich Kollegen überhaupt direkt auf ein sachliches Problem angesprochen habe und besonders,
- wenn ich mich über etwas beschwert habe (oft ganz schlecht, weil man ja eine "stiff upper lip" behält und die unmöglichsten Zustände zu ertragen hat, wie z.B. Mietmängel, lange Schlangen oder kriminelle Agents).

Ich denke, dies ist es aber auch, was viele Deutsche an England mögen dürften: dass die Leute nicht gleich anfangen rumzumotzen, wenn mal der Bus etwas später kommt oder dass die Nachbarn nicht direkt lauthals beschweren, wenn der Müll nicht richtig getrennt ist (am besten noch direkt das Ordnungsamt oder sonstwen anrufen).

Wenn ich jedoch die vielen verschiedenen Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema lese, beschleicht mich die Vermutung, dass es komplexer ist, als ich zuerst dachte.

In meinem Team z.B. sind wahrscheinlich nur 20-30 Prozent wirkliche Engländer; Kollegen aus änderen Ländern (und vielleicht auch Irland und Schottland) nehmen bestimmte englische höfliche Umgangsformen gar nicht so wichtig;
außerdem ist Engländer nicht gleich Engländer, meine Erfahrung ist, dass z.B. working class Leute oft viel toleranter und weniger zimperlich als vielleicht middle-middle oder upper-middle class Leute sind (mit upper-class Folks hab ich keine Erfahrung). D.h. bereits zwischen Engländern gibt es viele Unterschiede in Bezug darauf, wie sehr Direktheit toleriert wird; von Leuten anderer Nationen ganz zu schweigen, die die deutsche, direkte Art vielleicht sogar bewundern und für ultra-professionell halten.




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« Antwort #169 am: 03. Juli 2009, 19:41:49 »

Das ist doch aber das total Nervige hier in Yorkshire (oder ist das nur in Sheffield so?). Du wartest unschuldig auf den Bus (wie immer 20 Minuten keiner usw.) und schon schwafelt dich irgendein wildfremder an: "hot, i'nt it, lovey" und das ist erst der Anfang. Da möchte ich einfach nur die unhöfliche Deutsche raushängen und mein Gegenüber bitte, es aufzuschreiben und an jemanden zu schicken, den es interessiert und der sich nicht daran stört, ständig mit Kosenamen angesprochen zu werden.

Ich denke, bei solchen Gesprächen kommt es drauf an, wie sie geführt werden. Die plump-vertrauliche Art ist mir auch äußerst unangenehm, vor allem, wenn jemand nach kurzer Zeit merkt, daß ich nicht "von hier" bin und dann womöglich Fragen nach meiner Herkunft folgen. Ist aber eher selten. 

Wieso ist dir die Frage nach Deiner Herkunft unangenehm? Ist es Dir peinlich Deutsche zu sein?
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Northamptonian
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« Antwort #170 am: 03. Juli 2009, 20:14:25 »

außerdem ist Engländer nicht gleich Engländer, meine Erfahrung ist, dass z.B. working class Leute oft viel toleranter und weniger zimperlich als vielleicht middle-middle oder upper-middle class Leute sind (mit upper-class Folks hab ich keine Erfahrung). D.h. bereits zwischen Engländern gibt es viele Unterschiede in Bezug darauf, wie sehr Direktheit toleriert wird; von Leuten anderer Nationen ganz zu schweigen, die die deutsche, direkte Art vielleicht sogar bewundern und für ultra-professionell halten.

wohl wahr!

ich war mein leben lang sehr p.c. und mutter der nation (ohne das mir das irgend etwas gebracht hätte!!!) und jetzt da ich "älter" werde, vertrete ich eher die ansicht: mit zunehmenden alter erhöht sich drastisch die anzahl derer, die mich am a**** lecken können!!! icon_mrgreen

man kann es nicht jedem recht machen und everybody´s darling muß ich nicht sein - nicht in d, nicht uk noch sonstwo!




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« Antwort #171 am: 03. Juli 2009, 20:16:20 »

was ist p.c.?
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« Antwort #172 am: 03. Juli 2009, 20:18:58 »

was ist p.c.?

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« Antwort #173 am: 03. Juli 2009, 21:07:05 »

Wieso ist dir die Frage nach Deiner Herkunft unangenehm? Ist es Dir peinlich Deutsche zu sein?

mir waers recht, wenn ihr dafuer einen neuen Thread aufmachen wuerdet, denn wenn ich mich recht erinnere, gibts auf die Frage auch immer laengere Debatten.
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« Antwort #174 am: 03. Juli 2009, 21:18:05 »

Wieso ist dir die Frage nach Deiner Herkunft unangenehm? Ist es Dir peinlich Deutsche zu sein?

Nein, es ist mir einfach zu privat. Ich fühle mich als Deutsche völlig wohl.
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« Antwort #175 am: 03. Juli 2009, 21:59:57 »

Zum Ursprungsposting wuerde ich auch sagen: "rude".
Was den Smalltalk angeht: mache ich den zugegebenermassen auch gerne aber ich habe eine Grenze die einer meiner Kollegen deutlich ueberschreitet, leider weiss ich aber auch nicht wie ich ohne wirklich "rude" zu sein aufloesen soll. Ich sitze inzwischen manchmal mit iPod am Tisch (manchmal sogar nur mit den Kopfhoeren im Ohr ohne wirklich Musik zu hoeren). Das hat nichts damit zu tun, dass er Englaender ist, solche Leute gibt es auch in D, aber ich kann nicht den halben Tag mit Smalltalk verplempern und wenn ich neben mir dann wieder Seufzer, stoehngeraesche hoere die mir signaliseren sollen "unterhalte dich mit mir" dann stecke ich mir entweder die Stoepsel ins Ohr oder hole mir einen Kaffee und hoffe, dass er wen anders gefunden hat wenn ich zurueck bin. 
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« Antwort #176 am: 03. Juli 2009, 23:11:34 »

Zum Ursprungsposting wuerde ich auch sagen: "rude".
Was den Smalltalk angeht: mache ich den zugegebenermassen auch gerne aber ich habe eine Grenze die einer meiner Kollegen deutlich ueberschreitet, leider weiss ich aber auch nicht wie ich ohne wirklich "rude" zu sein aufloesen soll. Ich sitze inzwischen manchmal mit iPod am Tisch (manchmal sogar nur mit den Kopfhoeren im Ohr ohne wirklich Musik zu hoeren). Das hat nichts damit zu tun, dass er Englaender ist, solche Leute gibt es auch in D, aber ich kann nicht den halben Tag mit Smalltalk verplempern und wenn ich neben mir dann wieder Seufzer, stoehngeraesche hoere die mir signaliseren sollen "unterhalte dich mit mir" dann stecke ich mir entweder die Stoepsel ins Ohr oder hole mir einen Kaffee und hoffe, dass er wen anders gefunden hat wenn ich zurueck bin. 

nein wie genial ist das denn? icon_biggrin icon_top
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« Antwort #177 am: 04. Juli 2009, 09:11:14 »

Bei einigen Beitraegen habe ich den Eindruck man verwechselt "brutal German honesty" mit "ruthless German efficiency".
Natuerlich kann es frustrierend sein wenn man mit hier Kollegen oder Strukturen konfrontiert wird die man als ineffizient empfindet, aber sich dann aufzublaehen und mit stolzgeschwellter Brust zu verkuenden dass man es besser weiss oder kann, ist nicht nur wenig charmant, sondern im Endeffekt:ineffizient.
Es duerfte sich rumgesprochen haben das andere Laender eine andere business Etikette pflegen, und wenn man erfolgreich sein will sollte man sich dran gewoehnen diese zu respektieren und einzuhalten. Oder man streicht die Segel. Letzteres hab ich schon mal getan: ein Jahr Ungarn, in dem ich mich so deutsch wie noch nie gefuehlt habe hat mir gerreicht.
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Not impossible, just unlikely



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« Antwort #178 am: 04. Juli 2009, 10:54:28 »

@Katrinsche: Klingt ja als geht es dir eher nicht so gut, oder? Klingt als ob du wortwörtlich alienated bist. Ein freundliches Wort z.B and der Haltestelle ist ja nicht wirklich eine "Belästigung" und es tut mir leid, dass es dir so erscheint im Moment.

Auch wie du dein Officeleben beschreibst klingt, als ob du total schwimmst, weil keine der Verhaltensregeln von daheim mehr gelten und man nicht mehr einschätzen kann, ob einer "gut" oder "schlecht" ist, wie gemeint ist, was gesagt wird, usw.

Wir kenne das alle. Jeder hier hat dieses Stadium entweder noch um die Ohren oder aber hinter sich. Versuche im Hinterkopf zu behalten, dass für Briten immer ganz klar ist, was gesagt wird, dass sie und andere Briten genau verstehen, ob kritisiert wird oder nicht, etc. Es ist also nicht "verlogen" oder sonstwie "schleimig" sondern in British terms glasklar. Blos, uns Neuzugängen haben sie in der Schule zwar die Vokabeln beigebracht, aber wie die wirkliche Kommunikation abläuft eben nicht.

Lernen wirst du es nur können, wenn du dich darauf einlässt und es schaffst, dich nicht mehr so davon belagert zu fühlen. Ich wünsch dir viel Glück und Geduld damit. Und ich versprech dir, dass alles besser wird mit der Zeit.  icon_smile
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Warte nicht auf bessre Zeiten gleich dem Tor, der Tag für Tag an des Flusses Ufer wartet, bis die Wasser abgeflossen, die doch ewig fließen.
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Berlin to Warsaw in one tank



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« Antwort #179 am: 04. Juli 2009, 12:16:46 »

nein wie genial ist das denn? icon_biggrin icon_top

Die einzig probate Lösung in so nem Fall, wir haben bei uns im Büro auch so eine Dame. Ein ehemaliger Kollege lies sogar manchmal absichtlich das nicht eingesteckte Kabel seiner aufgesetzten Kopfhörer offen auf dem Tisch liegen...
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