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reichp

Privatisierung von BBC/anderen oeffentlich-rechtlichen Medien

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Ich finde es faszinierend, dass Diskussionen im Internet kaum qualitativ hoeher sind als in einer Kneipe oder in Raeumen, die von Google und Internet verschont sind. So ungewoehnlich sind Rundfunkgebuehren auch nicht, immerhin in zivilisierten OECD-Laendern. Richtiges "Staatsfernsehen" gibt es definitiv in Russland, ARD/ZDF wuerde ich auf gar keinen Fall so nennen.

Die oeffentlich-rechtlichen verbrauchen eine Menge Geld - aber kann die Bundesrepublik tatsaechlich ohne 60+ Krimi-Serien/episoden pro Jahr ueberleben? Ohne Wilsberg, Tatort aus Muenster, Rentnercops? Werden ueberhaupt so viele deutschsprachigen Filme produziert?  Fernsehen wird langsam sowieso aussterben, unter jugendlichen sinkt der Fernsehkonsum [3].

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Television_licence

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Press_Freedom_Index

[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2913/umfrage/fernsehkonsum-der-deutschen-in-minuten-nach-altersgruppen/

 

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5 hours ago, reichp said:

Point taken, gibt auch private.

Public/private könnte auch unverschlüsselte Inhalte von Pay-TV unterscheiden. Und als Link in deinem Link ist Public Broadcasting government funded, also irgendwie doch staatlich oder ein Regierungssender, wie vielleicht in Russland.

In Demokratien ist staatlicher Rundfunk nicht unbedingt Regierungsfunk. Und genau deswegen verstehe ich den Aufreger über Staatsfunk nicht. Genau wie man BRD nicht als beleidigend zu empfinden brauchte.

 

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21 hours ago, reichp said:

A video streaming study published [2,3] in the peer-reviewed journal Environmental Research Letters in 2014 found that streaming video for 30 minutes resulted in emissions of about 0.2 kilograms of CO2.

Sehr interessant, ich hatte keine Ahnung dass das so viel Energie frisst. Die Studie von 2011 hat vielleicht noch kein 4k HDTV erfasst, also dann ist Videostreaming doch CO2-relevant. Wenn man bedenkt, wie viele Leute den halben Tag vor der Glotze hängen.

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On 2/21/2020 at 7:01 PM, Kreuzberger said:

Sehr interessant, ich hatte keine Ahnung dass das so viel Energie frisst. Die Studie von 2011 hat vielleicht noch kein 4k HDTV erfasst, also dann ist Videostreaming doch CO2-relevant. Wenn man bedenkt, wie viele Leute den halben Tag vor der Glotze hängen.

Dann sollen sie sich auch einmal die Frage stellen, was die BBC oder andere staatliche Anstalten das Streaming kostet.  Oder auch der Betrieb des Langwellen-Senders BBC Radio 4 muss ja auch ziemlich kostenintensiv sein. 

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vor einer Stunde schrieb London1:

Dann sollen sie sich auch einmal die Frage stellen, was die BBC oder andere staatliche Anstalten das Streaming kostet.  Oder auch der Betrieb des Langwellen-Senders BBC Radio 4 muss ja auch ziemlich kostenintensiv sein. 

Wer hat denn heutzutage noch ein Langwellenradio? OMG sind die hinterm Mond. 

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Selbst UKW/FM stirbt langsam aus. Mit den Angeboten aus dem Internet braucht man eigentlich keinen Rundfunk mehr.

Allerdings habe gerade Lang-, Mittel-, und Kurzwellenprogramme zwei grosse Vorteile:

1. Man kann mit einem simplen bartteriebetriebenen Radio auch bei Stromausfall, beispielsweise in Katastrophenszenarien, Informationen beziehen.

2. Sie ermöglichen den Zugang zu Informationen aus der Aussenwelt für Menschen in diktatorischen Regimen.

Zu Punkt 2: das Internet lässt sich filtern und überdies ist es für den Überwachungsapparat leicht nachzuvollziehen, wer welche Programme empfangen hat. Bei Rundfunkempfängern können Überwachungsbehörden höchstens nach Oszillatorfrequenzen von Superhet-Empfängern suchen, was nur im Nahbereich (100m) funktioniert. Früher munkelte man, die GEZ suche mit dieser Methode nach Opfern. Auf Mittel- und Langwelle kann man zur Not mit Detektor- oder Audionempfängern arbeiten, die keinen Mischoszillator benötigen. Der Volksempfänger a.k.a. Goebbelsschnautze war ein Audion und meine Grossmutter hörte nachts heimlich BBC, da es von Medien des Grossdeutschen Reichs, speziell als es nicht mehr sehr gross war, keinerlei verlässliche Informationen gab.

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17 hours ago, Kreuzberger said:

Selbst UKW/FM stirbt langsam aus. Mit den Angeboten aus dem Internet braucht man eigentlich keinen Rundfunk mehr.

Allerdings habe gerade Lang-, Mittel-, und Kurzwellenprogramme zwei grosse Vorteile:

1. Man kann mit einem simplen bartteriebetriebenen Radio auch bei Stromausfall, beispielsweise in Katastrophenszenarien, Informationen beziehen.

2. Sie ermöglichen den Zugang zu Informationen aus der Aussenwelt für Menschen in diktatorischen Regimen.

Zu Punkt 2: das Internet lässt sich filtern und überdies ist es für den Überwachungsapparat leicht nachzuvollziehen, wer welche Programme empfangen hat. Bei Rundfunkempfängern können Überwachungsbehörden höchstens nach Oszillatorfrequenzen von Superhet-Empfängern suchen, was nur im Nahbereich (100m) funktioniert. Früher munkelte man, die GEZ suche mit dieser Methode nach Opfern. Auf Mittel- und Langwelle kann man zur Not mit Detektor- oder Audionempfängern arbeiten, die keinen Mischoszillator benötigen. Der Volksempfänger a.k.a. Goebbelsschnautze war ein Audion und meine Grossmutter hörte nachts heimlich BBC, da es von Medien des Grossdeutschen Reichs, speziell als es nicht mehr sehr gross war, keinerlei verlässliche Informationen gab.

UKW stirbt in UK langsam aus, zu Gunsten von DAB bzw. Digitalradio.  Und ja, auch das Internet kratzt an UKW.   Ich vermute, dass es in UK bereits mehr DAB Hörer gibt als UKW. 

Das Internet wurde ja auch geschaffen um militärische Kommunikation im Notfall zu ermöglichen und eine Erfindung der direkten Nachkriegszeit. Dass im Katastrophenfall auch der einzige LW oder MW Sender ausfallen kann auch durch gezielte Zerstörung, sehen diese Katastrophenszenarien leider nicht vor.  Das Internet zu zerstören ist da schon schwieriger.   Gut, diktatorische Systeme wie etwa Nordkorea blockieren das Internet, und treiben auch Radio Jamming um die Signale zu stören. Auch die Warschauer Pakt Staaten machten dies gerne. 

BBC auf Deutsch hörte in der NS Zeit so ziemlich Jeder heimlich. Erwischt werden bedeutete Zuchthaus oder Todesstrafe aber auf jeden Fall ein Verhör. 

Ich vermute, dass BBC Radio 4 auf LW den Sinn hat, die Seefahrt zu erreichen, und auch sogar U-Boote.  Die LW Signale prallen nicht an der Wasseroberfläche ab, sie dringen tiefer ein. 

 

 

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46 minutes ago, Schnapsglas said:

Das Internet zu zerstören ist da schon schwieriger. 

Es braucht nicht gleich Krieg zu sein. Bei Stromausfall denke ich geht weder DSL/Kabel noch 4G. AM Rundfunk ist eine viel primitivere Technik. Ob 200khz Langwelle für U-Boote taugt, weiss ich nicht. Militärische Kommunikation läuft auf Ultralangwelle - so 20khz.

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Am 21.2.2020 um 22:32 schrieb reichp:

Die oeffentlich-rechtlichen verbrauchen eine Menge Geld - aber kann die Bundesrepublik tatsaechlich ohne 60+ Krimi-Serien/episoden pro Jahr ueberleben? Ohne Wilsberg, Tatort aus Muenster, Rentnercops? Werden ueberhaupt so viele deutschsprachigen Filme produziert?  Fernsehen wird langsam sowieso aussterben, unter jugendlichen sinkt der Fernsehkonsum [3].

Wobei da ja durchaus die interessante Frage im Raum steht, ob die Öffentlich-Rechtlichen überhaupt Unterhaltung machen müssen. Deren systematischer Vorteil dürfte bei der klassischen Berichterstattung und Dokumentationen liegen, schon alleine weil die Abhängigkeit zur Werbung der Mitbewerber, zu Verwicklungen mit Unternehmen führt. Dem Interessenkonflikt ist eben nur durch Finanzierung des Konsumenten beizukommen und ich habe nicht den Eindruck, dass mich z. B. ARTE hier schlecht beliefert, sicherlich besser als der ganze kostenlose Kram, den ich mir übers Internet besorgen kann und nicht unbedingt schlechter als meine Bezahlpublikationen wie das Handelsblatt, die FT oder der Economist, allenfalls halt weniger Tiefgang, weil für ein anderes Publikum. Ein Blick auf Foxnews reicht im Prinzip, damit die meisten froh sein werden, einen ÖRR zu haben.
Anders sieht es dann schon beim Thema Unterhaltung aus. Klar, eine nationale Quote mag ein Argument sein, aber das muss dann auch ein Format sein, das mehrere Generationen anzieht, denn sonst erfüllt es seine Aufgabe mMn nicht, und das ist tatsächlich nicht mehr gegeben. Das ist schon lange vor dem Ende von Tommy Gottschalk verloren gegangen und den Privaten könnte man vielleicht zugutehalten, dass die den nicht viel zu lange durchgefüttert hätten, allerdings leider, auch ohne inhaltlich Besseres stattdessen zu bieten.

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43 minutes ago, Jensemann said:

ob die Öffentlich-Rechtlichen überhaupt Unterhaltung machen müssen.

Ein ÖR für qualitativ hochwertige Grundversorgung kann auch Unterhaltung bringen. Bei öffentlich finanzierten Angeboten sollte aber kein primärer Fokus auf Einschaltquoten liegen. Warum muss zum Beispiel 2DooF für seine Unterhaltungssendungen Werbung plakatieren "mit dem Zweiten sieht man mehr"? Ich vermute, die Werbung zahlt sich aus, weil mehr Zuschauer mehr Werbeeinnahmen bringen. Wenn Ö-Sender auf der Jagdt nach Einschaltquoten Inhalte bringen, die gut mit privaten Angeboten konkurrieren, also den gleichen Mist, nur besser, dann dient das eben nicht der Qualitätssicherung.

Der ÖR ist aber wegen seiner angeblichen Unabhängigkeit nicht zur Rechnungslegung verpflichtet und kann Einnahmen nach den Regeln kommerzieller Anbieter optimieren.

Die ÖR&GEZ GmbH&Co Kg ist ein Dino, der aussterben muss, damit höher entwickelte Lebensformen eine Chance kriegen.

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Am 21.2.2020 um 16:08 schrieb cart00nist:

"Staatsfunk" ist Pegida und AfD-Vokabular. Aber macht nur weiter so, es outet sich eben jeder selbst so gut er kann.

Wenn Du "heute" dazu geschrieben hättest, wäre mir das ein like wert gewesen.

Staatsfunk hat es in der Bundesrepublik in einer sehr speziellen Form gegeben: Erstes und Zweites waren für die nationale und internationale Berichterstattung zuständig und vergleichsweise neutral. Dafür tobte sich die Politik in den Landessendern aus: WDR war als Rotfunk, BR als Schwarzfunk bekannt. Das Problem waren die fehlenden Sendefrequenzen. Wenn du nicht an der Landesgrenze wohntest, gab es eben nur einen politisch ausgerichteten Kanal und dementsprechend eingeschränkt die Infodichte.

Bei einem Umzug konnte das zu verwirrenden Erfahrungen führen: ich wurde aus einem schwatten Bundesland heraus ins rotversiffte Hessen an der Zonengrenze stationiert. Erschwerend kam dazu, dass dort Zonenfunk empfangen werden konnte. Langweilig, mit einer Ausnahme: Eddie von Schnitz mit dem "Schwarzen Kanal". Damals war comedy noch nicht Bestandteil des deutschen Wortschatzes. Aber Eddie machte das so perfekt, dass wir extra unseren Gruppenabend auf seine Sendetermine verlegt hatten. Angezogen von unserem groelendem Gelächter stand eines Abends unser Zugführer (Leutnant, frisch vonner Schule, keine Ahnung, deshalb 12-Ender) im Raum und entdeckte, das wir Ostfunk sahen. Am nächsten Morgen hat er dem Bataillonskommandeur das Bestehen einer Kommiezelle gemeldet.

Der Empfang politisch unterschiedlich ausgerichteter Sender war erst mit der Einführung des Kabelfernsehen möglich. Das fällt ebenso in die Amtszeit Kohl wie die Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen für die Einführung privater Sender. Also tit's 'n ass, nix Rentner.

" BRD" war im übrigen nicht "leichter", sondern ein politischer Kampfbegriff des Ostens.Im Westen wurde von Deutschland gesprochen und damit der Alleinvertretungsanspruch dokumentiert, der lange Zeit mainstream im der BR Deutschland war.

Edited by ClaudeW60
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11 hours ago, ClaudeW60 said:

" BRD" war im übrigen nicht "leichter", sondern ein politischer Kampfbegriff des Ostens

Wie man eine unschuldige drei Buchstaben Abkürzung als Kampfbegriff empfinden konnte, ist mir immer noch schleierhaft. In unserer in den 70ern und 80ern noch etwas braun nuancierten Heidestadt hatten wir im Unterricht Landkarten, die Mitteldeutschland mit einem dicken "DDR" in Anführungszeichen markierten, gefolgt von weiten Teilen Polens als Deutschland unter polnischer Verwaltung. Wer Abkürzungen nutzt, um staatliche Legitimität in Frage zu stellen, mag diese natürlich selbst als herabsetzend empfinden, wenn sie von der Gegenseite kommen. Mehr als ein albernes Spielchen der Nachkriegsphase war das doch nicht.

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On 2/21/2020 at 4:32 PM, reichp said:

Ich finde es faszinierend, dass Diskussionen im Internet kaum qualitativ hoeher sind als in einer Kneipe oder in Raeumen, die von Google und Internet verschont sind.

Um nochmal auf diese etwas harsche Kritik zurückzukommen. Staatsfunk versus öffentlicher Rundfunk. Bei meinem doppelt gemoppelt Kommentar bin ich scharf zurecht gewiesen worden, obwohl die Aussage einen wahren Kern hat. Zugegeben, es gibt den Begriff öffentlichen Rundfunk, der aber nach Wikipedia-Definition nicht zwischen einseitigen und ausgewogenen Inhalten unterscheidet. Broadcasting als Aussendung von Radiowellen über Rundstrahl-Antennen ist grundsätzlich immer öffentlich. Die Wellen erreichen alle, ob sie wollen oder nicht. Insofern ist public broadcasting wirklich doppelt gemoppelt.

Also: wir haben public broadcasting als einen Begriff, der für manche besser klingt als staatlicher Rundfunk, aber weder zwischen einseitiger Regierungspropaganda und ausgewogenen Informationsangeboten unterscheidet, noch zwischen unverschlüsselten und verschlüsselten, also in diesem Sinne privaten Inhalten. Auch die Differenzierung über kommerziell und public als nicht kommerziell ist untauglich, wie öffentlich-rechtliche Anstalten wie das ZDF beweisen. Man kann nicht Werbung für eigene Angebote plakatieren, an Werbung für Dritte verdienen und dann in keinerlei Hinsicht kommerziell sein wollen.

Die Probleme mit dem Begriff public broadcasting sind untergegangen, als ob wir in einer Kneipe gesessen hätten. Da hast du Recht.

Edited by Kreuzberger

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Ich habe oben zwei Karten gepostet und zwar um verschiedenen Finanzierungsmodelle von "Wellensendern" vergleichen zu koennen. Gibt es idealen super-objektiven Rundfunk im Vakuum und zwar umsonst fuer alle beteiligten? Das bezweifle ich. Allerdings liegen Rundfunksgebuehren in Frankreich auf dem aehnlichen Niveau wie in Grossbritanien oder Deutschland. Von Erfahrungen aus welchen Land koennen wir lernen? Auf der zweiten Karte sieht man den Pressefreiheitindex, eine Pressefreiheit auf dem OECD-Niveau ist mir wohl wichtiger als GEZ-losigkeit. 

Allerdings stimme ich zu, dass ARD/ZDF vielleicht doch viel zu viel Geld fuer Krimis/Unterhaltung ausgeben. 

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Aber wenn wir aufs Thema Privatisierung von BBC und anderen ÖR-Medien zurückkommen. Da gibt es viele Szenarien:

1. ARD/ZDF oder BBC werden verkauft.

2. Eine Umstellung auf Pay-TV mit Decodern für verschlüsselte (private) Inhalte.

3. Pleite durch Entzug von Steuermitteln bzw Ende von Zwangsgebühren.

4. Die ÖR-Sender finanzieren sich ausschliesslich aus Werbung, behalten aber ein ausgewogenes und unabhängiges Nachrichtenangebot bei.

 

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vor 11 Stunden schrieb Kreuzberger:

Wie man eine unschuldige drei Buchstaben Abkürzung als Kampfbegriff empfinden konnte, ist mir immer noch schleierhaft. In unserer in den 70ern und 80ern noch etwas braun nuancierten Heidestadt hatten wir im Unterricht Landkarten, die Mitteldeutschland mit einem dicken "DDR" in Anführungszeichen markierten, gefolgt von weiten Teilen Polens als Deutschland unter polnischer Verwaltung. Wer Abkürzungen nutzt, um staatliche Legitimität in Frage zu stellen, mag diese natürlich selbst als herabsetzend empfinden, wenn sie von der Gegenseite kommen. Mehr als ein albernes Spielchen der Nachkriegsphase war das doch nicht.

Dann versuche ich nochmal eine Erläuterung: in Sportwettkämpfen war damals das international (mit Ausnahme des Ostblocks) übliche Kürzel für die Bundesrepublik GER, also Deutschland, und für DDR halt DDR. Begrifflich versuchte man sich in der SBZ von dieser Zuordnung abzusetzen, irgendwie ein untergeordneter Teil zu sein, eben durch die Verwendung von BRD. Im Westen war "Brüder und Schwestern im Osten" eine durchgängig verwendete Sprachnorm, im Osten verwendete Honecker gerne zur Abgrenzung inflationär Begriffe, die alle bei ihm mit"soße "anfingen. Auf der anderen Seite stellte die DDR ja bewusste Bezüge zu deutschen Traditionen her: Stechschritt, die Helme der NVA waren Wehrmachtsmodelle, ebenso wie die Uniformhosen mit Oberschenkelschlag im wehrmachtsgrau; der Hitlerjugend war die militärische Früherziehung (GST) ebenso wie die Uniformierung (blau statt braun) entnommen. Alles iE ziemlich verzweifelte Versuche der Postulierung von Eigenständigkeit bei Fortführung von Traditionen.

Als Spielchen würde ich so etwas nicht bezeichnen.

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Wer kein Englisch konnte, hätte GER mit Germanen assoziiert. Ich meine mich an FRG bei Wettkämpfen zu erinnern, also BRD auf Englisch.

Wenn BRD beleidigend war, warum ist es dann in Ordnung, von der EU oder den USA zu sprechen? Vermutlich, weil diese Staatenbünde nicht die Komplexe der ehemaligen Bundesrepublik Restdeutschland haben.

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Beides schwierige Beispiele:

- UK versucht gerade EU27 (der traurige Rest...) zu etablieren

- zu USA lies mal das framing zB in der Wikipedia: da wurde durchgängig "amerikanisch" durch "US-amerikanisch" ersetzt.

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vor 14 Minuten schrieb Kreuzberger:

Wer kein Englisch konnte, hätte GER mit Germanen assoziiert. Ich meine mich an FRG bei Wettkämpfen zu erinnern, also BRD auf Englisch.

Wenn BRD beleidigend war, warum ist es dann in Ordnung, von der EU oder den USA zu sprechen? Vermutlich, weil diese Staatenbünde nicht die Komplexe der ehemaligen Bundesrepublik Restdeutschland haben.

Vielen Dank für den Anreiz zum nachschlagen: FRG wurde zB ab 1968 olympisch verwendet.

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9 hours ago, ClaudeW60 said:

Vielen Dank für den Anreiz zum nachschlagen: FRG wurde zB ab 1968 olympisch verwendet.

Die BRD-Allergie war filmreif. In einem Mauerfilm mit Flucht durch Tunnel - Der Tunnel? - begann das erste Auto-Kennzeichen im Westen mit B-RD. Ich glaub, diese Kennzeichenkombination war in West-Berlin zu Mauerzeiten nicht zulässig. In den 90ern sah man sie aber.

Und noch ein Spruch von der Elektrotechnik-Fachschaft "Willi Widerstand" der TUBS aus den 80ern: "Lasst euch nicht BRDigen." Die waren etwas anarcho drauf :)

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Die 80'er waren in vielen Bereichen anarcho. Damals sind MW die Wanderdemonstranten entstanden: MO Wackersdorf, DI Ffm Westend, MI Fessenheim, DO Freiburg. Und das ganze bei offenbar unbegrenzten finanziellen Mitteln.

Die Bundespolizei kannte mittlerweile die meisten ihrer Gegenüber und begleitete die von Demo zu Demo. Die lokalen Polizeikräfte hatten noch nicht einmal geeigneten Körperschutz.

Ein Einsatzleiter in Freiburg war mal so genervt, dass er nach der Auflösung der Demo eine gute Heimfahrt nach Wackersdorf gewünscht hat und ob man nicht Fahrgemeinschaften bilden sollte?

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