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Nat236

Remote festangestellt bei deutscher Firma und leben in London?

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Hallo liebe Community :)

ich bin Natalie und würde gerne zu meinem Freund nach London zu ziehen. Ich habe mich hier schon ein bisschen umgeschaut, allerdings leider noch kein Thema gefunden, das meinen Fall ganzheitlich beantworten würde. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich jemand vielleicht in einer ähnlichen Situation befindet oder den ein oder anderen Lösungsansatz für meine Frage hat.

Ich bin derzeit Vollzeit bei einer deutschen Firma angestellt, arbeite mit meinem Laptop von überall aus und bin an kein Büro gebunden. Deshalb dachte ich zuerst, dass das super Voraussetzungen sind, da ich meinen festen Job behalten kann wenn ich nach London ziehe. Allerdings habe ich nicht in Betracht gezogen, welche Challenges/Probleme sich daraus ergeben könnten in Bezug auf Krankenversicherung, Steuern, Leben in UK. 

Ich bin mir unsicher und weiß nicht, welches die sinnvollste Lösung ist. Gibt es eine Möglichkeit, vorerst den Job bei der deutschen Firma zu behalten und trotzdem in England zu leben? Einerseits ist es natürlich unsinning, in Deutschland Steuern und Krankenversicherung zu zahlen, wenn ich in einem anderen Land lebe. Andererseits würde ich gerne erst einmal schauen, ob das Zusammenleben so überhaupt auch funktioniert und mich noch nicht komplett aus D abmelden. Eine Insurance Number in UK kann ich nur beantragen, wenn ich auch in England arbeite, oder? Würde es Sinn  machen, übergangsweise einfach alles so zu belassen, wie es ist, Wohnsitz in D bei den Eltern zu lassen und erstmal für ein Jahr eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen? Kann man trotzdem in London einen Bank Account einrichten?

Langfristig muss ich mir natürlich eine andere Lösung überlegen. Ich wäre euch jedenfalls SEHR dankbar, wenn ihr vielleicht ein paar Tipps für mich habt, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht wirklich, an wen ich mich wenden kann, der einen ganzheitlichen Überblick hat.

Liebste Grüße,

Natalie  :danke:

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Hi ,

solange wie Du in D noch gemeldet bist ( und dort auch eine Adresse hast wo die Post dich erreicht ) brauchst nur wissen ob dein Arbeitgeber "Homeoffice" unterstützt .

Da muss er nicht wissen von Du arbeitest , außer Du arbeitest im Sicherheitsbereich / Entwicklung ( Exportbeschränkung ) / Militär-/Verteidigungs-Bereich . Da ist durchaus möglich das dein Arbeitsplatz in D sein muss ( müsste im Arbeitsvertrag / Firmen-Richtlinienstehen ) . Nach dem Brexit wäre UK nicht mehr EU-Gebiet und nicht mal EWR .

Sobald Du dich in ABmeldest must auch dein Arbeitgeber drüber informieren , die meisten machen das dann nicht mit wegen z.B. Mehraufwand im Steuerrecht / Arbeitsrecht / ... .

Dann hättest nur die Möglichkeit als Freelancer dort weiter beschäftigt zu werden - da aber "Scheinselbstständigkeit " beachten .

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vor 7 Stunden schrieb Nat236:

... Allerdings habe ich nicht in Betracht gezogen, welche Challenges/Probleme sich daraus ergeben könnten in Bezug auf Krankenversicherung, Steuern, Leben in UK...

So lange Du in D gemeldet bist könnte dein "Lebensmittelpunkt" weiter in D bleiben = bis in D voll Steuer- / Krankenversichert . Und hast mit dem UK - Sozialsystem nix zu tun

In UK bist nur zu "Besuch" - falls einer fragen sollte . Nur dein D-PKW ( mit D Kennzeichen ) sollte nicht in UK rumstehen - ein Paar Wochen sind O.K. aber sonst nicht

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vor 7 Stunden schrieb Nat236:

...Eine Insurance Number in UK kann ich nur beantragen, wenn ich auch in England arbeite, oder? 

Würde es Sinn  machen, übergangsweise einfach alles so zu belassen, wie es ist, Wohnsitz in D bei den Eltern zu lassen und erstmal für ein Jahr eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen?

Kann man trotzdem in London einen Bank Account einrichten? ...

Die NINO - dafür musst in UK leben , aber wenn Du nix mit dem UK-System zu tun hast brauchst das nicht

"Auslandskrankenversicherung " - über deine D-Krankenversicherung hast doch für Notfälle die Versicherung

Ja, kannst - must nur eine UK -Adresse haben oder sich ein der Online-Banken angucken ( das wäre , in deinem Fall , sogar die Bessere Wahl )

Solange Du am zweifeln bist - las die Versicherungen in D weiter laufen und die Steuern. Tue so als ob Du im ( Dauer- ) Urlaub bei deinem Freund wärst - so kannst von jetzt auf sofort wieder weg dort

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55 minutes ago, Artur_Manchester said:

So lange Du in D gemeldet bist könnte dein "Lebensmittelpunkt" weiter in D bleiben = bis in D voll Steuer- / Krankenversichert . Und hast mit dem UK - Sozialsystem nix zu tun

In UK bist nur zu "Besuch" - falls einer fragen sollte . Nur dein D-PKW ( mit D Kennzeichen ) sollte nicht in UK rumstehen - ein Paar Wochen sind O.K. aber sonst nicht

Nur wenn Brexit durch ist ,kann es ab 2021 schwierig werden.

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Liebe Natalie,

Du kannst Dich selbst beglückwünschen, weil Du die besten Voraussetzungen mitbringst, nach London zu kommen und hier zu arbeiten. In Deiner Lage gehst Du auch im Gegensatz zu den meisten anderen Ankömmlingen kein Risiko ein. Also, verliere keine Zeit, bevor der Brexit kommt.

Vorbehaltlich von Besonderheiten in Deinem Fall, die ich nicht kenne,  empfiehlt sich bei Dir folgendes :

1) Sage Deinem Arbeitgeber in Deutschland dass er bei seinem Betriebsstätten-Finanzamt eine Lohnsteuer-Freistellungsbescheinigung anfordern soll. Wenn er diese erhalten hat, kann er Dein Bruttogehalt immer auf Dein Konto in London überweisen. Es unterliegt nicht mehr der deutschen Besteuerung. Weise ihn darauf hin, dass er auch den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben, den er bisher an das deutsche FA überwiesen hat, nach London mitüberweist. Das sind für ihn keine Zusatzkosten, weil er dies bisher in D auch tun musste.

2) Dann meldest Du Dich in D beim Einwohnermeldeamt ab. Das musst Du tun, weil Du sonst gegen das Meldegesetz verstossen würdest. Es ist Aufgabe Deines AG, Dich bei der Krankenkasse abzumelden. Es ist empfehlenswert, wenn Du das überprüfst und Dir von der KK eine Abmeldebestätigung geben lässt.

3) Wenn Du das erledigt hast, kannst Du Dich beruhigt ins Flugzeug setzen und Dich von Deinem Freund in London in Empfang nehmen lassen. Du hast ja keine Wohnungssorgen. Anmelden brauchst Du Dich im UK nicht; es gibt kein Meldeamt. Dein Freund kann Dir zeigen, wie Du eine NINO (National Insurance No.) bekommst und Dich bei einem GP (Arzt) anmelden. Du bist automatisch beim NHS krankenversichert. Krankenkassen-Beiträge gibt es im UK nicht. Wie das  alles geht, weiss er schon, das brauchen wir hier nicht zu erläutern (Auch wie Du ein Konto in London eröffnest).

4) Da Du nun in London arbeitest und in D keine Steuern und Abgaben mehr bezahlst, will natürlich das UK-Finanzamt (HMRC) entsprechende Abgaben von Dir haben. Du musst deshalb HMRC darüber informieren, dass Du nun in London arbeitest und von Deinem AG aus D regelmässig Einkünfte hast. Du informierst HMRC darüber (Schreiben an HM Revenue & Customs, Pay As You Earn, PO Box 1970, Liverpool L75 1WX). Dein Freund kann Dir dabei helfen und HMRC wird Dich dann informieren, wie sie die Abgaben von Dir haben möchten (evtl. jährliche Eink.-Steuererklärung, Abschlags/Vorauszahlungen; ohne Kenntnis Deines Einkommens kann man dies hier nicht sagen). Wie gesagt, achte darauf, dass Du HMRC nachweisbar informiert und entsprechenden Kontakt hergestellt hast. Das ist wichtig.

Resümee : Du wirst in London wesentlich mehr von Deinem Gehalt netto haben, weil hier die Steuern und Sozialabgaben niedriger sind als in D. Krankenkassen-Beiträge gibt es wie gesagt im UK nicht. Wenn es Dir in London nicht mehr gefallen sollte, fliegst Du einfach wieder nach D zurück, informierst Deinen AG und meldest Dich beim Meldeamt und der KK wieder an. Evtl. nötige Korrespondenz mit UK-Stellen kannst Du von D aus erledigen.

 

P.S.: Ich habe früher des öfteren Beiträge in diesem Forum getätigt; seit geraumer Zeit bin nicht mehr aktiv. Das hier ist ein Ausnahmefall. Wie ich erst jetzt sehe, habe ich viele mails bekommen, die ich nicht beantwortet habe. Dafür möchte ich mich entschuldigen und bitte, von weiteren PNs/mails abzusehen.

 

 

 

 

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54 minutes ago, kaufmann said:

Ich habe früher des öfteren Beiträge in diesem Forum getätigt; seit geraumer Zeit bin nicht mehr aktiv.

Das ist sehr schade muss man aber wohl respektieren.Schon lange, nicht mehr so einen guten Beitrag gelesen.

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Am 1.5.2019 um 19:59 schrieb Artur_Manchester:

Hi ,

solange wie Du in D noch gemeldet bist ( und dort auch eine Adresse hast wo die Post dich erreicht ) brauchst nur wissen ob dein Arbeitgeber "Homeoffice" unterstützt .

Da muss er nicht wissen von Du arbeitest , außer Du arbeitest im Sicherheitsbereich / Entwicklung ( Exportbeschränkung ) / Militär-/Verteidigungs-Bereich . Da ist durchaus möglich das dein Arbeitsplatz in D sein muss ( müsste im Arbeitsvertrag / Firmen-Richtlinienstehen ) . Nach dem Brexit wäre UK nicht mehr EU-Gebiet und nicht mal EWR .

Sobald Du dich in ABmeldest must auch dein Arbeitgeber drüber informieren , die meisten machen das dann nicht mit wegen z.B. Mehraufwand im Steuerrecht / Arbeitsrecht / ... .

Dann hättest nur die Möglichkeit als Freelancer dort weiter beschäftigt zu werden - da aber "Scheinselbstständigkeit " beachten .

Lieben Dank dir für deine Antwort - mein Arbeitgeber weiß Bescheid und solange ich offiziell noch meinen Wohnsitz bei meinen Eltern in D gemeldet habe, geht das auch so in Ordnung. Nur wenn es wirklich langfristig so klappen sollte, wie ich es mir vorstelle, dann muss ich wohl langsam doch über die Freelancer-Alternative und offiziell in UK leben nachdenken. Da tauchen ja dann wie du schon andeutest wieder andere Herausforderungen wie die Scheinselbstständigkeit auf. Vielen Dank aber dir jedenfalls erstmal für deine Hilfe! Beste Grüße, Natalie

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Am 1.5.2019 um 20:15 schrieb Artur_Manchester:

Die NINO - dafür musst in UK leben , aber wenn Du nix mit dem UK-System zu tun hast brauchst das nicht

"Auslandskrankenversicherung " - über deine D-Krankenversicherung hast doch für Notfälle die Versicherung

Ja, kannst - must nur eine UK -Adresse haben oder sich ein der Online-Banken angucken ( das wäre , in deinem Fall , sogar die Bessere Wahl )

Solange Du am zweifeln bist - las die Versicherungen in D weiter laufen und die Steuern. Tue so als ob Du im ( Dauer- ) Urlaub bei deinem Freund wärst - so kannst von jetzt auf sofort wieder weg dort

Ich habe bei meiner deutschen gesetzlichen Krankenversicherung angerufen und tatsächlich meinten die, dass die Versicherung in UK nicht mehr gilt. D.h. ich werde wohl vorerst eine längerfristige Auslandskrankenversicherung abschließen müssen. 

Zum Bankaccount: Das funktioniert auch, wenn das nicht meine eigene offizielle Adresse ist?

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Am 1.5.2019 um 21:36 schrieb che68:

Nur wenn Brexit durch ist ,kann es ab 2021 schwierig werden.

Ohja, das muss ich definitiv immer im Hinterkopf haben. Danke dir!

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Am 1.5.2019 um 22:45 schrieb kaufmann:

Liebe Natalie,

Du kannst Dich selbst beglückwünschen, weil Du die besten Voraussetzungen mitbringst, nach London zu kommen und hier zu arbeiten. In Deiner Lage gehst Du auch im Gegensatz zu den meisten anderen Ankömmlingen kein Risiko ein. Also, verliere keine Zeit, bevor der Brexit kommt.

Vorbehaltlich von Besonderheiten in Deinem Fall, die ich nicht kenne,  empfiehlt sich bei Dir folgendes :

1) Sage Deinem Arbeitgeber in Deutschland dass er bei seinem Betriebsstätten-Finanzamt eine Lohnsteuer-Freistellungsbescheinigung anfordern soll. Wenn er diese erhalten hat, kann er Dein Bruttogehalt immer auf Dein Konto in London überweisen. Es unterliegt nicht mehr der deutschen Besteuerung. Weise ihn darauf hin, dass er auch den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben, den er bisher an das deutsche FA überwiesen hat, nach London mitüberweist. Das sind für ihn keine Zusatzkosten, weil er dies bisher in D auch tun musste.

2) Dann meldest Du Dich in D beim Einwohnermeldeamt ab. Das musst Du tun, weil Du sonst gegen das Meldegesetz verstossen würdest. Es ist Aufgabe Deines AG, Dich bei der Krankenkasse abzumelden. Es ist empfehlenswert, wenn Du das überprüfst und Dir von der KK eine Abmeldebestätigung geben lässt.

3) Wenn Du das erledigt hast, kannst Du Dich beruhigt ins Flugzeug setzen und Dich von Deinem Freund in London in Empfang nehmen lassen. Du hast ja keine Wohnungssorgen. Anmelden brauchst Du Dich im UK nicht; es gibt kein Meldeamt. Dein Freund kann Dir zeigen, wie Du eine NINO (National Insurance No.) bekommst und Dich bei einem GP (Arzt) anmelden. Du bist automatisch beim NHS krankenversichert. Krankenkassen-Beiträge gibt es im UK nicht. Wie das  alles geht, weiss er schon, das brauchen wir hier nicht zu erläutern (Auch wie Du ein Konto in London eröffnest).

4) Da Du nun in London arbeitest und in D keine Steuern und Abgaben mehr bezahlst, will natürlich das UK-Finanzamt (HMRC) entsprechende Abgaben von Dir haben. Du musst deshalb HMRC darüber informieren, dass Du nun in London arbeitest und von Deinem AG aus D regelmässig Einkünfte hast. Du informierst HMRC darüber (Schreiben an HM Revenue & Customs, Pay As You Earn, PO Box 1970, Liverpool L75 1WX). Dein Freund kann Dir dabei helfen und HMRC wird Dich dann informieren, wie sie die Abgaben von Dir haben möchten (evtl. jährliche Eink.-Steuererklärung, Abschlags/Vorauszahlungen; ohne Kenntnis Deines Einkommens kann man dies hier nicht sagen). Wie gesagt, achte darauf, dass Du HMRC nachweisbar informiert und entsprechenden Kontakt hergestellt hast. Das ist wichtig.

Resümee : Du wirst in London wesentlich mehr von Deinem Gehalt netto haben, weil hier die Steuern und Sozialabgaben niedriger sind als in D. Krankenkassen-Beiträge gibt es wie gesagt im UK nicht. Wenn es Dir in London nicht mehr gefallen sollte, fliegst Du einfach wieder nach D zurück, informierst Deinen AG und meldest Dich beim Meldeamt und der KK wieder an. Evtl. nötige Korrespondenz mit UK-Stellen kannst Du von D aus erledigen.

 

P.S.: Ich habe früher des öfteren Beiträge in diesem Forum getätigt; seit geraumer Zeit bin nicht mehr aktiv. Das hier ist ein Ausnahmefall. Wie ich erst jetzt sehe, habe ich viele mails bekommen, die ich nicht beantwortet habe. Dafür möchte ich mich entschuldigen und bitte, von weiteren PNs/mails abzusehen.

 

 

 

 

WOW! Tausend Dank dir für diesen sehr informativen, detaillierten und äußerst hilfreichen Beitrag! Das bringt mich wirklich sehr viel weiter und klärt viele meine Fragen - fast schon wie ein Masterplan. Mehr als Dankbarkeit kann ich hierzu fast gar nicht mehr ausdrücken. DANKE, dass du mir hier ausnahmsweise so geholfen hast. Beste Grüße und alles Gute, Natalie

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