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burkh

Ist der NHS pleite?

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Gerade auf SpOn gelesen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/grossbritannien-gesundheitssystem-nhs-in-england-in-der-krise-a-1187911.html

Bislang war ich ja  immer ein großer Fan des NHS. Ist die aktuelle Grippewelle wirklich schlimmer als alles, was es bisher gegeben hat?

Dass viele EU-Ärzte und Pflegekräfte das Land verlassen haben oder vorhaben, das Land zu verlassen.... nun ja... da sage ich jetzt mal nichts zu.....

Edited by burkh

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Steffi hat das ganz gut rekapituliert.  Ein Universal Health Care System kann nur funktionieren, wenn alle

Buerger sich darueber bewusst sind, das Sie das faktisch kostenlos bekommen und den Service zu wuerdigen wissen,

heisst also - nicht ausnutzen.   Ich bin ja voll dafuer , das man hier z.B. eine Strafe einfuehrt fuer verpasste GP appointments.  Also irgendwas um 10 Pfund oder so.  Nur damit das Bewusstsein steigt, das man nicht einfach willenlos einen Termin macht und dann nicht erscheint.   Der GP von meinem Boyfriend kotzt sich darueber regelmaessig aus.

Desweiteren ist es voellig klar, das mit diesen Peanuts Beitraegen ein vollstaendiger Gesundheitsdienst nicht mehr lange bezahlbar bleibt und dann von Regierungsebene nach Bedarf - hier ein Troepfchen  - da ein Troepfchen aufgestockt werden muss.  Entweder das UK aendert die Bedingungen oder in 10 Jahren passiert hier eine Riesenkatastrophe.

Das Auslagern an Privatunternehmen hilft gar nix.  Eine Mentalitaet ohne Gemeinschaftsbewussein oder Solidaritaet killt so eine Institution .  Und -  auch schlechtes und korruptes Management.  

Irgendwelche Heiopeis aus Japan und USA kommen und lassen sich ne neue Huefte verpassen, weil im UK deutlich

deutlich billiger - und dann verschwinden die einfach so im nichts.  Schwupp - wech. 

Ich bin ja mit der allgemeinen Orga des NHS ueberhaupt nicht vertraut, glaube aber das die sich einfach nur

besser organisieren muessten und die ganzen EGO Manager aussortieren sollen.  Vielleicht laeuft es dann besser.

suoyarvi

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Definitiv auch die EGO Manager aussortieren...fangen wir doch mal bei Jeremy Hunt an.....

obwohl sich nun auch einige Manager wirklich mittlerweile am Riemen reißen! Und generell ist das NHS an sich eine gute Idee und die meisten Leute packen wirklich mit an. Aber es ist einfach nicht mehr sustainable. Jedoch wenn das Problem schon an oberster Stelle sitzt...man schreibt ja nicht umsonst ein Buch darüber, wie man das NHS privatisieren könnte...

was meint ihr was dir Reaktion war, als es hieß, Jeremy hat jetzt nun auch noch die Verantwortung für Social Care?! Ich stimme voll zu, dass Health und Social care zusammen gehören und besser integriert werden müssen. Aber nicht mit Mr Hunt an der Spitze! 

Edited by Steffi_B

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3 hours ago, Steffi_B said:

In Liverpool und Newcastle gibt es mittlerweile umgebaute Busse, die nachts die ganzen Betrunkenen aufnehmen, damit diese nicht alle in die Notaufnahme gehen zum sober werden - free of charge weil es auf das NHS geht!

Auch während der Circle Line Parties um 2008 hatte der NHS einen Sonderservice, der sich liebevoll um die Gäste kümmerte. Erst da wurde ich mir meines Glückes voll bewusst, in Grossbritannien leben zu dürfen!

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Ich bin jetzt schon x Jahrzehnte hier im UK und jedes Jahr seit meinem Eintreffen gibts eine Krise beim NHS. Nicht meine Schuld, habe den Dienst eigentlich wenig benutzt, touch wood. Viele Eingeborene hier stimmen dem auch zu. Das ist ebend weil der Demand im Prinzip grenzenlos ist, besonders bei der rasanten Entwicklung in der Medizin. Was fehlt ist ein finanzielles Konzept um dies zu bewaeltigen. Und da haben sich die Politiker aller couleur die Zaehne ausgebissen und nur bescheidene Fortschritte gemacht. Der NHS ist gut, von meiner Warte gesehen, aber er wird zu sehr als "heilige Kuh" betrachtet wo man eigentlich keine radikalen Aenderungen vornehmen muss (oder darf). Ich beneide die Politiker nicht die daran arbeiten muessen, welche Partei auch immer. Und es ist nicht einfach eine Frage von mehr oder weniger Management, Pflegern, Chirurgen, etc etc.

Edited by KlausPW

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Ich stimme dem zu, dass sich etwas in der Finanzierung des NHS ändern muss. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass man für bestimmte Sachen doch auch Geld verlangen sollte oder zumindest auch "Strafen" einführen sollte, wie zB Souyarvi schon erwähnt, wenn es zu Terminen kommt die die Leute einfach nicht wahrnehmen. 

Jedoch wird von Jahr zu Jahr einfach mehr von oben herunter gespart und wer dann am Ende darunter leidet sind die Patienten. Ob das nun am essen ist (private Firmen die nicht viel dafür ausgeben aber Profit einfahren), oder an den domestics/portering (wieder private Firmen die ihre Leute sehr schlecht bezahlen und zB über Weihnachten nur versuchen einen Cleaner für 3 Stationen zu benutzen - was dann an die 100 Betten sind mit dem extra reinigen nach patient discharges nicht dazu gezählt - und trotzdem Profit einfahren) oder es einfach kein Geld für die Nachsorge oder Social Care gibt. Das lässt wiederum die Betten in den Krankenhäusern auffüllen aber wenn es denn darum geht neue Patienten aufzunehmen ist einfach kein Platz für diese Leute weil man ja die anderen Leute nicht zurück in die Community entlassen kann. Dazu kommt, dass auch einfach nicht mehr genug Leute angestellt werden um den Andrang aufzunehmen. Ob das nun Schwestern, Pfleger, Ärzte, Therapeuten, Radiologen oder auch Socialworkers sind! 

Ich habe selber für einige Jahre auf einer acute admissions Station gearbeitet und öfters auch 12 Stunden Schichten geschoben wo ich es geschafft hatte 15min Pause zu machen, oder 11 Patienten an einem Tag alleine zu entlassen oder zu verlegen, regulär gesehen wie eine Station von 54 Betten an einem Tag wenigstens die Hälfte davon entlassen/verlegt und noch einmal dieselbe Zahl wieder aufgenommen hat! Das ist mal nur ein "kleines" Beispiel vom täglichen Bettenspiel, denn was teilweise an Zahlen durch die Notaufnahme kommt ist einfach nicht mehr machbar. 

Und diese Sachen werden leider von oben herab sehr oft herunter gespielt oder ignoriert. Im Gegenteil wird uns gesagt, dass wir effizienter werden müssen - die Frage ist dann wie?! Soll ich jetzt einfach mal nicht die Wunde neu bandagieren weil das Dressing richtig Geld kostet?! Dann wird die Wunde schlimmer dadurch, dass sich zB Keime schön drin absetzen können und der Patient muss länger in Behandlung bleiben und evtl extra Antibiotika bekommen - weil A kostet das nicht mehr Geld und B gibt es ja schon nicht genügend Antibiotika Resistenzen. So etwas sollte man auch öfters mal bedenken! Beim Sparen wird leider nie an das langzeitige gedacht, sondern man muss immer ganz schnell Erfolge sehen - das NHS ist aber leider keine Fabrik! 

Ich möchte auch mit meinen Posts niemanden angreifen, nur beim NHS wird bei mir ein Nerv getroffen. 

Edited by Steffi_B
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Ich glaube ich habe vor einiger Zeit mal nachgeschaut was in Deutschland vs UK pro Einwohner fuer Gesundheit ausgegeben wird. Wenn ich mich richtig erinnere habe ich damals gelernt, dass in Deutschland gut das Doppelte pro Einwohner ausgegeben wird.

Seitdem denke ich dass alle  effizienzsteigernden Massnamen zwar gut und schoen sind, ohne eine kraeftige Finanzspritze wird das aber alles nichts bringen.

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18 hours ago, Steffi_B said:

Definitiv auch die EGO Manager aussortieren...fangen wir doch mal bei Jeremy Hunt an.....

obwohl sich nun auch einige Manager wirklich mittlerweile am Riemen reißen! Und generell ist das NHS an sich eine gute Idee und die meisten Leute packen wirklich mit an. Aber es ist einfach nicht mehr sustainable. Jedoch wenn das Problem schon an oberster Stelle sitzt...man schreibt ja nicht umsonst ein Buch darüber, wie man das NHS privatisieren könnte...

was meint ihr was dir Reaktion war, als es hieß, Jeremy hat jetzt nun auch noch die Verantwortung für Social Care?! Ich stimme voll zu, dass Health und Social care zusammen gehören und besser integriert werden müssen. Aber nicht mit Mr Hunt an der Spitze! 

Ich stimme dir absolut zu und der NHS ist inzwischen (wieder) extrem unterfinanziert, mit allen negativen Effekten quer durchs System.

Nur bei einer Sache muss ich widersprechen. Mr Hunt hatte vorher schon Verantwortung fuer Social Care. Das ist einer der drei Kompetenzbereiche des Department of Health, praktisch schon seit immer (NHS, Public Health, Social Care). Es hat sich also nichts geaendert, abgesehen davon dass DH jetzt noch ein bisschen Geld fuer neue Letter heads rausballern darf. Naja, wer's hat (nicht).

Wir warten schon seit 20-30 Jahren auf eine Reform der Finanzierung von Social Care (alle mit mehr als ca 23,000 Gesamtvermoegen bezahlen komplett privat, der Rest kriegt einen questionable deal aus einem unterfinanzierten System). Bislang hat sich keiner getraut, das in die Hand zu nehmen, denn im Wesentlichen braucht es dazu das gleiche wie im NHS: Mehr Steuereinnahmen und zwar deutlich mehr. Das hat New Labour nicht geschafft und die konservativen "Small Government/Big Business"-Vertretern hat da keine einer Interesse dran.

Ich habe da wenig Hoffnung fuer den britischen Sozialstaat.

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Naja gut. Ich kann mich leider nur noch daran erinnern, dass er bevor er Health Secretary wurde bei BSkyB involviert war und das den Bach runterging. Auf der anderen Seite schieben sich vorangegangene und jetzige Regierungen immer nur die Schuld in die Schuhe - was ja nun wirklich keinem weiter hilft. Allerdings ist er ja nun mit der umstrittenste HS nur irgendwie scheint er ja gut an seinem Job festzuhalten. Ich finde es irgendwo einfach nur noch frustrierend, weil große Reden geschwungen und für ein paar Stunden eine Station oder Care Home besucht wird aber am Ende macht ja keiner etwas. Ich hätte selber kein Problem mehr steuern zu zahlen wenn es in Social Care, Health und Education fließen würde. Ich finde es interessant, dass es die Schweden irgendwie zu schaffen scheinen. Jedoch kenne ich mich nun in Schweden nicht aus. Auf der anderen Seite scheint es aber auch in Deutschland nicht besser zu laufen. Also was ist dann die Lösung? Jedenfalls glaube ich nicht, dass nach dem Brexit 350mille mehr ins NHS fließen werden. 

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Ich habe gerade zwei schwere Erkrankungen in meinem Umfeld beobachten koennen. Einmal in Deutschland (Berlin) und einmal hier in London. Nach meiner Stichprobe klappte das Deutschland deutlich besser als hier. Besonders in Pflege und Nachsorge war der Unerschied schon deutlich.

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Das tut mir sehr leid Mahi, ich hoffe den Betroffenen geht es den Umständen entsprechend gut. 

Ich habe genau das Gegenteil als Erfahrung gemacht. Auch einmal Berlin und London. Vielleicht nehmen sich die beiden Systeme doch nichts?! 

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9 hours ago, mahi said:

Ich glaube ich habe vor einiger Zeit mal nachgeschaut was in Deutschland vs UK pro Einwohner fuer Gesundheit ausgegeben wird. Wenn ich mich richtig erinnere habe ich damals gelernt, dass in Deutschland gut das Doppelte pro Einwohner ausgegeben wird.

Seitdem denke ich dass alle  effizienzsteigernden Massnamen zwar gut und schoen sind, ohne eine kraeftige Finanzspritze wird das aber alles nichts bringen.

Zumindest im Jahre 2014 waren Gesundheitsausgaben in GB vs D ziemlich aehnlich: 3.5kEUR bzw 3.9kEUR, was ungefaehr 10-11% des BIPs entspricht. Fast das Doppelte wird eher in den USA ausgegeben - 17.1%.

Hier im Forum gibt es zumindest einen GP, eine Wissenschaftlerin die viel mehr ueber Gesundheitsoekonomie sagen kann und vermutlich auch andere Menschen, die ihres Berufs wegen viel mehr objektive(re) Informationen ueber Gesundheitssysteme in GB, D und anderswo sagen koennten. Einzelfaelle sind dagegen wenig hilfreich. Laut WHO-Bericht aus 2000 (habe nichts besseres zur Hand), war das beste Gesundheitssystem in Frankreich mit GB auf Platz 18 und D auf Platz 25. Welche Faktoren dabei beruecksichtigt worden sind und wie es heute aussieht, weiss ich nicht. Oder doch - auf 215 Seiten des Berichts kann man es vermutlich finden.

So weit ich aus diesem Artikel von FT/Janan Ganesh weiss, kriselte der NHS auch in Jahren 1988, 1995 und 2004. Die Bevoelkerung war damals aber junger als heute. 

Edited by reichp

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Nicht eine wissenschaftliche oder statistische Bemerkung, aber was ich des oefteren in deutschen Gesundheits TV-Magazinen gehoert habe ist das in D gern operiert wird (und nicht immer notwendig), Ruecken, Hals, Schulter, Knie besonders. Das soll mehr Geld fuer die Krankenhaeuser erbringen.

Kann ich nicht nachweisen aber koennte natuerlich die Kosteninflation unterstuetzen. 

Edited by KlausPW

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Aus dem Guardian: "NHS holds top spot":

https://www.theguardian.com/society/2017/jul/14/nhs-holds-on-to-top-spot-in-healthcare-survey

Wenn man sich den Bericht durchliest stellt sich allerdings heraus, dass in der Kategorie " Health Care Outcomes"  das UK auf Platz 10 von 11 westlichen Industrieländern liegt:

http://www.commonwealthfund.org/interactives/2017/july/mirror-mirror/

Was ich ja als: "The NHS is doing shit" interpretieren würde.

 

 

Edited by Marianne013
Tippfehler

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