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snoopye1970

Immer mehr obdachlose Frauen?

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Gestern Abend hatte ich eine Palette Drinks zum Ivy of Harrogate zu bringen. Der Pub ist zu finden auf der Paliament Street.
Da das Pub-Schild sehr klein und unscheinbar war, habe ich es beim ersten Versuch nicht gleich gesehen und hab auf "Loading only" geparkt.
Bei der Suche nach dem Pub kam ich an einer jungen Frau vorbei, die nur 100m weiter in der Kälte auf einer Decke mit all ihrer Habe saß.

Zunächst konnte ich nicht helfen und ich mußte auch erst meine Ware loswerden, damit der Pub am Freitagabend kein Shortage an Getränken bekam und ich war auch schon zu spät dran.

Ich habe die junge Frau dann nach dem Abladen noch mal aufgesucht und ihr einen Zehner gegeben. Und war sogar nicht alleine, eine andere Passantin nahm sich auch die Zeit mit ihr zu sprechen. 
Wir haben ihr etwas Aufmerksamkeit geschenkt und mit ihr gesprochen.

Kurz vor Weihnachten habe ich eine ähnliche Situation in EC2 angetroffen. Nur hatte ich da keine Möglichkeit etwas zu tun und auch wieder einmal Kundenware  auf dem Auto. Und noch im Sommer habe ich 2 Fälle in Exeter, bzw. der Plymouthgegend getroffen.

Wenn man nach Brighton kommt, sieht man eh relativ viel Leute, die leider kein Zuhause haben.

Es ist traurig, das auch dieses Land sich nicht zu allererst für ein Dach für die eigenen Leute kümmert.  Die andere Passantin, mit der ich sprach, nahm das Wort "criminal" in den Mund. Weil offensichtlich kaum irgendwelche Hilfe angeboten wird.
Und wenn schon obdachlos,  dann lieber Brighton, denn bei 0°C auf der Straße zu sitzen... Aber als Frau ist das sicher noch ein Nummer härter. Wenn man keinen Platz für Hygiene und Sauberkeit hat.

 

Edited by snoopye1970

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...und wenn so eine dann #metoo sagt, dann hoert sicher niemand hin. Das ist schon irgendwie ungerecht.

Falls irgendwer Zeit und Lust hat was zu spenden:

Morgen, Sonntag, von 15:00-17:00, stehe ich vor dem Sainsbury's in Golders Green und sammele Essen und Geld fuer die Obdachlosen in Barnet.

 

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Dass es hier keine Bleibe für die arme Bevölkerung gibt, liegt nicht an der Bevölkerung und schon garnicht an steuerzahlenden Zuwanderern, sondern an der von Thatcher gestarteten Politik, Sozialwohnraum billig zu verkaufen und nicht zu ersetzen. In diesem Land mit der fürchterlichsten Wohnraumspekulation Europas kommt dann dazu die Austerity Sozialgesetzgebung, die den Leuten, das Wohngeld einschränt, sodass sie sich ihre Wohnungen vermehrt nicht mehr leisten können. Wer da ins Rutschen kommt, der klettert so schnell nicht mehr aus dem Loch. Das betrifft auch immer mehr Frauen, wie könnte es auch nicht.

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In Salford wird das 1. Mal seit sehr langer Zeit wieder Council housing gebaut.

Immerhin ein Schritt in die richtige Richtung .

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Die Wohnraumspekulation hat sicher viele Gruende, und nicht nur gute.

Ein wichtiger Grund ist die Liquiditaet des Hausmarktes. die ist im europaeischen Vergleich unueblich gut. 

Das liegt an den geringen Margen zwischen Kauf- und Verkaufspreis, den vielfaeltig diversifizierten Finanzierungsmoeglichkeiten, und den, wiederum im Vergleich, exzellenten Brokern, den Immobilienagenten.

Das schafft dann manchmal zu hohe und sicher auch mal zu niedrige Preise. 

Dem entgegen stehen eine zu restriktive Bauland / Gruenguertelpolitik, und, in London, zumindest, die steuerliche Bevorzugung der internationalen Superreichen durch die £30'000 p.a. Steuerfreikaufsmoeglichkeit. Da kommen die natuerlich alle und kaufen Immobilien.

 

 

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Spoken like someone who can buy/sell. Die Rückseite der Medaille ist u.a. die Obdachlosigkeit, die diesen Thread begann. 

Mittlerweile dürfen ja auch Housing Associations ihren Wohnraum verticken, da hilft das bischen extra Bauen, das momentan aufkommt, auf die Dauer auch nix. Zudem wird der neugebaute Wohnraum hier immer kleiner und da Billigbau zudem noch extrem hellhörig. Naja, wenigstens wetterfest wird es hoffentlich sein. 

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2 hours ago, Suseschwester said:

Zudem wird der neugebaute Wohnraum hier immer kleiner und da Billigbau zudem noch extrem hellhörig.

Deswegen wollte ich ja auch nie eine Wohnung / Haus hier kaufen,  obwohl die alle auf mich eingetreten haben. Was mich auch abgehalten hat , sind diese elenden Leaseholds. Ich kauf ne Huette , aber die Erde dadrunter gehoert jemandem anderen.  Geht auch irgendwie gar nicht.

The cons nicht gekauft zu haben -  Der Rausschmiss nach 10 Jahren aus einer akzeptablen Wohnung.   Ich weiss auch nicht, was die hier treiben. Oder wo der Benefit sein soll.  Na ja,  Obdachlosigkeit , ob fuer Frau oder Mann ist immer sch...e

Die grosse Frage stellt sich wahrscheinlich in ein paar Jahren - wieviele Obdachlose kann eine Gesellschaft verkraften ?

Weil ...  wie Snoopye ja richtig erkannt hat -   es werden immer mehr. Auch hier in Kentish Town.  Leider. Und kaum einer tut was.  - Und - irgendwie erwarte ich auch keine Hoechstleistung von der heutigen Regierung.  Die haben auf einmal mit Brexitverhandlungen und Plastikverbannung mehr zu tun. Obdachlose stehen gerade nicht auf deren Agenda. 

suoyarvi

 

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vor 16 Stunden schrieb suoyarvi:

Was mich auch abgehalten hat , sind diese elenden Leaseholds.

Leasehold  bei Neubauten hat die Regierung dank jahrelanger Complaints endlich verboten. Leider gehen immer wieder Faelle durch die Presse, wo Leasehold bei Altbau einfach mit Abaenderung der jaehrlichen Gebuehr "verlaengert" wird. Unser Haus, wie viele im Nordwesten, ist ebenfalls Leasehold,allerdings mit £2 jaehrlicher "Miete" an die Koenigin, die hat sich aber bis jetzt noch nicht gemeldet. :D

Die steigende Obdachlosigkeit hat, neben dem Immobilienverkauf seit Maggie Thatcher, viel mit der bedroom tax zu tun (und Universal Credit wird da sicher nicht helfen). Ein Obdachloser in Manchester erzaehlte mir dass er ein 2-bed Haus gemietet hatte, seit der Strafgebuehr konnte er die Miete nicht mehr zahlen und der Council teilte ihm mit, dass keine 1-bed Wohnungen in der Gegend verfuegbar seien, was es frueher mal gegeben hatte, wurde abgerissen und durch Neubauten ersetzt. 

In Manchester wird sehr viel gegen die Obdachlosigkeit getan, es gibt diverse Charities und Kampagnen. Der neue Mayor Andy Burnham ist flugs auf den Zug aufgesprungen, versprach Besserung und spendet monatlich 15% seines Gehalts fuer Obdachlosenorganisationen. Dennoch ist seit seinem Amtsantritt die Zahl der Obdachlosen weiter angestiegen. Dem Stadtrat fehlt einfach das Geld.

Ein weiteres Problem ist Mental Health. Man sieht hier viele Spice-Suechtige auf der Strasse und viele der Obdachlosen haben anderweitige psychische Probleme. Soziale Betreuung fuer Mental Health gibt es fast nicht, von betreutem Wohnen etc gar nicht zu reden.

vor 16 Stunden schrieb suoyarvi:

Die grosse Frage stellt sich wahrscheinlich in ein paar Jahren - wieviele Obdachlose kann eine Gesellschaft verkraften ?

Die Frage stellt sich doch jetzt schon. Wieviel durch Austerity verschaerfte Armut, bis diese ideologische Sparpolitik endlich ein Ende hat?

Der Tory-Regierung ist es sichtlich immernoch egal, wieviele Familien in 1-Zimmer Notquartieren untergebracht werden muessen und wieviele Bettler auf der Strasse sitzen, erst recht in Labour-Kerngebieten wie London oder Manchester. Und neue Council-Wohnungen zu bauen schafft bekanntlich nur mehr Labour-Waehler. Aber das Thema hat es inzwischen bis in die BBC geschafft,  es bleibt zu hoffen, dass der gesellschaftliche Druck irgendwann so hoch wird, dass die Regierung doch noch handelt. Oder dass mit der naechsten Wahl eben die Quittung kommt.

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Ich arbeite freiwillig einmal in der Woche bei einer Obdachlosen shelter hier in London und das schon seit vielen Jahren. Ich kann nicht sagen, dass es prozentual mehr Frauen unter den Obdachlosen gibt, aber da die Gesamtzahl insgesamt steigt, gibt es natuerlich auch rein zahlenmaessig mehr obdachlosen Frauen, klar. 

Abgesehen vom Wohnungsproblem, das wirklich nicht zu unterschaetzen ist, erfahre ich auch immer relativ haeufig von prekaeren Jobs, die nur fuer eine Saison laufen/ auf zero hours Basis sind/ minimum wage zahlen, so dass es ewig dauert, bis man genug Geld fuer ein Deposit zusammengespart hat. Wer da kein soziales Netz hat, faellt schnell durch die mittlerweile ziemlich grossen Maschen. Dazu dann haeufig auch mental health und andere Gesundheitsprobleme (wir betreuen dieses Jahr wirklich viel mehr Gaeste, die eigentlich eher in aerztliche Obhut gehoeren), mit denen man ganz schnell im Aus ist, oder ex Army Leute, die den Weg nicht mehr zurueck in die Gesellschaft finden. 

Es gibt einige Organisationen, die helfen koennen (Behoerdengaenge, Benefits beantragen, Ausweis organiseren etc pp) und vor allem, wenn man oft mal dem gleichen Obdachlosen begegnet, waere es vielleicht eine gute Idee mal die Details einer lokalen Organisation zu uebermitteln, an die er oder sie sich wenden kann.

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Gerade heute hatte ich was (Spendensammel-Bittbrief) von "StMungo's - Ending homelessness - Rebuilding lives" in der Post. Weiß jemand zufällig, ob diese Organisation zu empfehlen, im Sinne von, die Spende kommt auch sinnvoll an, ist?

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Dt Mungo's ist eine der besten Organisationen in diesem Feld. Das besondere an denen ist, dass sie neben der Soforthilfe den Leuten helfen, die Probleme, die sie davon abhalten, ein geregeltes Leben im Schutz von 4 Wänden zu verkraften, zu verarbeiten und Hilfe anzunehmen, um wieder auf die Beine zu kommen. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz und wirklich toll. Wenn du Geld geben möchtest, ist St Mungos ein würdiger Empfänger. 

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