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Jensemann

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  1. Trendänderungen. Was ich auflistete, ist in weiten Teilen eine Weiterführung problematischer Entwicklungen, die wir schon kennen. Ich sehe es daher nicht als positiv an, aber eben auch nicht als große Veränderung. 9/11 war ein Terrorakt im Herzen von New York (quasi der Finanzhauptstadt der USA und auch Symbolstadt) und Washington DC (der politischen Hauptstadt). Die Anzahl der Toten war hier eher sekundär. Für Deutsche gab es die Wende (im positiven), für Amerikaner 9/11 als negatives aber nicht minder generationenprägendes Ereignis. Die politischen wie psychologischen Implikationen sind hier im Vergleich zu Wirtschafts-/Finanzkrisen ganz andere und ich würde es daher gerne ausklammern. Zustimmen tue ich, dass wir nach der Finanzkrise eine starke Spaltung der Gesellschaft bemerken konnten, die ich auch durchaus als große Veränderung werten würde und stark Trump half, der große Riss entstand meiner Meinung aber aus dem Glauben vieler, man hätte die Banken und Banker, als vermeintliche Täter(!), gerettet und die Arbeitsplätze der sogenannten Realwirtschaft nicht. Verstärkt wurde die Frustration, und dieser Riss, bzw. das Trauma dann dadurch, dass viele Menschen ihr Haus verloren. Die Subprimekrise war komplex und ein komplettes Bild der Ereignisse, inklusive der 1992 unter Bush Senior politisch gewollten Nutzung der Kreditmärkte, um den Zugang zum Immobilienmarkt zu erleichtern, was nach den Riots in LA damals opportun war, ist nur wenigen bekannt. Dieses missgeleitete Täter- und Opferbild, bzw. die Belohnung der vermeintlichen Täter, das viele haben, war für den Riss m. E. noch wichtiger als das Auseinanderklaffen der Vermögensschere. Bis heute kommen ja viele mit dem Totschlagargument „aber Geld für die Banken hatte man“. Das Argument würden diese Menschen lustigerweise nicht bringen, hätte man noch mehr Geld aufgewendet, um auch Lehman zu retten. Etwas, das auch Timothy Geithner bereut. Trump versucht es zwar („Chinese Virus“ usw), schlussendlich ist es aber schwerer einen Sündenbock bei einem Virus zu kreieren, auch auf Verschwörungstheorien fallen hier weniger rein als auf den guten alten Kampf von Wall Street vs. High Street und Rustbelt (da kann man selbst mit Sinusitis den Klassenkampf riechen!). Auch ist die Pandemiewirtschaftskrise strukturell eine ganz andere. Sie ist verursacht durch die Maßnahmen dagegen, nicht durch das Virus selbst und kennt daher auch ein klares Ende, was sonst eher selten ist und einen enormen psychologischen Vorteil auch für die Erholung bieten sollte. Auch sind die Abfederungsmaßnahmen, abgesehen von etablierten Easingmethoden der Notenbanken auch für normale Menschen verständlicher: Hilfsgelder an Unternehmen, bzw. in den USA auch Geld für Bürger, in Deutschland setzt man wieder auf Kurzarbeit, damit weniger Jobs verloren gehen und die Kompetenzcluster erhalten bleiben usw. Wissen wir noch nicht. Werden wir sehen oder auch nicht. Ich bezweifle es, zumindest auf globaler Ebene, etwas. Auch weil man neuen Viren an Grenzen mangels Tests bzw. Testkapazitäten so schlecht Herr werden kann. Die meisten Länder werden die Schädigung ihrer Fluglinien und ihres Tourismussektors scheuen. Das ist jedenfalls meine Vermutung.
  2. Das freut mich für ihn bzw. für euch, es ist aber nicht die Regel. Manche Handwerker und andere Betriebe bemerken nichts bis wenig oder gar leichte Zuwächse, das aber auch nur, weil andere diese Pause nutzen. Unternehmen etwa die davon abhängen, dass bei Volkswagen die Bänder rollen, haben zur Zeit auch Flaute. Und ganz generell heißt „ich bemerke gerade nichts“, ja nicht, dass der Job strukturell sicherer ist, sonderlich allenfalls erst einmal nur, dass der Impact Zeitverzögerter ist. Ein mir bekanntes kleines Unternehmen der Metallverarbeitung ist derweil sehr froh, nebst den Industriekunden noch welche im Bereich aus der Lebensmittelproduktion zu haben, denn die Industriesparte ist zu rund 50 % eingebrochen. Für meine aktuelle Sanierungsbaustelle in Düsseldorf habe ich kürzlich mehrere Tonnen Schotter bestellt. Dem Lieferanten ging es vor der Krise auch schon besser, denn einige Baustellen ruhen auch z. Z., die Selbstabholung wurde gesperrt und obendrein wurde die Bestellung kommentiert mit „wenn wir nächste Woche noch liefern dürfen“. Da so spontan vom sicheren Handwerk zu sprechen ist schon gewagt ...
  3. Die Ladenschließungen nutzen doch gerade Amazon, seinen Vorsprung auszubauen, während viele kleine lokale Läden baden gehen werden. Miete, Personal und andere Fixkosten bleiben bestehen, während die großen viel weniger von Banken abhängig sind, denn die können sich direkt am Kapitalmarkt über die Emission von Anleihen verschulden und haben hier bereits aufgrund des zinsgünstigen Umfelds Vorteile. Auch kann denen die Zentralbank durch Anleihekaufprogramme viel einfacher und unbürokratischer Helfen, wie sie es auch schon tun. Ich sehe die internationale Arbeitsteilung allerdings auch nicht als Geiz-ist-Geil an. Deutschland verkauft Maschinen nach China, die produzieren damit irgendwas, das wir am Ende auch kaufen. Wohl aber ist denkbar (und auch sinnvoll), dass Lieferketten durch internationale Diversifikation abgesichert werden. Denn was wir auch sehen, ist, dass so ein Virus aufgrund der stark vernetzten Welt letztlich jeden trifft, allerdings zeitversetzt. China als aktueller Ausgangspunkt vieler Lieferketten war Erstbetroffener, erholte sich aber auch als Erster. Sollte es zu einer Pleitewelle kommen, werden die Banken sicherlich nicht deiner Wunschvorstellung folgen und das Geld eher kleinen, lokalen Unternehmern geben, die verstehen (aus meiner Aktionärssicht zum Glück) etwas mehr von Risikoeinschätzung. Obendrein wissen die Großen viel schneller, wie sie Staatshilfen nutzen können. Adidas, welches sich in Deutschland zur Zeit die Miete für eigene Shops einspart, hat diese Möglichkeit, aus Ergebung der neuen Gesetze, sicherlich schneller erkannt, als das kleine Restaurant, dessen Koch sich nach 2 Wochen Unsicherheit eine Stelle als Hermes Fahrer sucht. Zwar ergeben sich Möglichkeiten für neue Unternehmer, wenn viele Ladenlokale leer stehen werden. Deren Finanzierung wird allerdings eher schwerer als leichter. Denn deren Situation war bereits recht gut, etwa durch Crowdfunding, was eben auch eine Folge des langen Aufschwungs bei Niedrig- bis Negativzinsniveau war. Wenn sich hier nun einige Hobbyinvestoren die Finger verbrennen, wird es wieder schwerer.
  4. Ich sehe keine großen Veränderungen kommen. Das vorher oft so glorifizierte Homeoffice wird von vielen ausgenutzt, andere bemerken selbst, dass ihre Produktivität runter geht, hier liegt die Betonung oft einfach mehr auf Home, denn auf Office. Auch Messen werden nicht aussterben, allenfalls werden sich die Vorteile von Offline-Veranstaltungen etwas schneller herauskristallisieren als sie es ohne ein verlorenes Jahr getan hätten. Das Kontakteknüpfen geht im Businessumfeld von Angesicht zu Angesicht einfach besser. Die Messebranche tat sich oft vorher schon schwer und einige Consumermessen, wird das nun wohl schon den Todesstoß versetzt haben. Ich bemerke auch keine grundsätzlichen Mängel unseres Gesellschaftssystems, die hier offengelegt werden würden. Stattdessen bemerke ich, dass viele Unternehmen erstaunlich flexibel sind, wenn es darum geht zu helfen. Brauereien und die Sektkellerei Mumm hat auf Desinfektionsalkohol umgestellt bzw. Spenden Alkohol (der bei der Herstellung von alkoholfreiem Bier anfällt, anstatt ihn wie sonst zu verkaufen), der Autozulieferer Zettl stellt jetzt Atemschutzmasken her, BASF und Beiersdorf Desinfektionsmittel, andere versuchen sich an Bauteilen für Beatmungsgeräte. Die einzige Schwäche, die ich bemerken kann und wo ich Veränderungen erwarte, ist das Medizingerätehersteller künftig, ähnlich etwa wie Unternehmen der Rüstungsindustrie, stärker als nationalrelevant angesehen werden, was Auswirkungen auf mögliche Fusionen, speziell Grenzüberschreitende, haben wird. UK hat meines Wissens z. B. kein auf Beatmungsgeräte spezialisiertes Unternehmen. Allgemein wird das Thema Gesundheitssystem wohl stärker in den Fokus rücken. Die Auswirkungen hier werden von Land zu Land unterschiedlich sein. Ich möchte hier den Entwicklungen aber nicht vorgreifen, denn wir wissen noch nicht, wie schlimm es, wo werden wird. Interessant können auch kurzfristigere politische Ereignisse werden. Wie sehr beschädigt Corona den US-Präsidenten? Schadet es Boris Johnson? Werden Polen und Ungarn, unter dem Deckmantel der Pandemiebekämpfung, noch undemokratischer? Wie entwickelt sich die Italien-EU Beziehung? Politisch ist hier durchaus Sprengstoff vorhanden und Russland nutzt es ja schon zur Imagepflege. In Deutschland scheint es der CDU und leicht auch der SPD zu helfen, zulasten der Grünen und auch der FDP. Klar, Krisen schaden in der akuten Phase oft der Opposition. Ich bin gespannt, ob es zu einer kleinen Bereinigung bei den Grünen kommt, die ja auch immer ein zuhause für Impfgegner und Homöopathie-Befürworter waren, rechne da aber nicht unbedingt mit. Dem Umweltschutz/Klimawandel wird es eher Schaden als nützen. Der Ölpreis ist sehr billig, das alleine verzögert viele Entwicklungen. Die Unternehmen sind finanziell in Mitleidenschaft gezogen und Förderprogramme der Länder werden durch die gesteigerten Schulden schwerer zu stemmen sein bzw. ganz allgemein, etwas aus dem Fokus fallen, sowohl politisch, wie auch in der Masse der Menschen. Ich würde auf steigende Scheidungszahlen wetten.
  5. Und wenn sich jeder zuhause einschließt, werden wir uns einem Anstieg, der an Depressionen Erkrankten gegenüber sehen. Der Mensch hat halt Bedürfnisse, deren Unterdrückung ebenfalls gesundheitliche Konsequenzen hat. Mittel und Maß gilt auch bei der Abschwächung der Ansteckungsrate eines Virus. Gott sei Dank geht halt nicht jeder gerne und zeitgleich wandern, sodass für Wanderlustige die Wanderwege bleiben und für Paraglider mehr als genug Platz für Socialdistancing in der Luft besteht. Die Krankenhäuser sind ja auch nicht überall am Limit. Einige Länder waren halt glücklich genug, Maßnahmen eingeleitet zu haben, bevor es soweit kommt.
  6. Man sollte hier allerdings nicht nur auf die Sterberate schauen. Bei Covid-19, also der Erkrankung aufgrund des Coronavirus SARS-CoV-2 Virus, ist das Kernproblem, welches uns auch diese ganzen Gegenmaßnahmen einbrockt, nicht die Sterberate an sich, sondern die Rate derer, die erwartungsgemäß intensivmedizinisch betreut werden müssen und das man sich nur begrenzt schützen kann, insbesondere im Vergleich zu HIV. Daraus ergibt sich eine ganz andere Einschätzung der Pandemierelevanz und -folgen. Zu anderen Zeiten und die werden in diesem großen Maßstab der vergangenen Seuchen gar nicht mal so weit zurückliegen, hätte man die Toten womöglich auch hingenommen, heute können wir das nicht mehr. Weder im autokratischen China und Russland, noch in demokratischen europäischen Ländern oder dem Großteil der anderen Länder. Rein anteilsmäßig jedenfalls ist es bemerkenswert, und ich sage das nicht als Kritik, das fast alle diese Länder den Wohlstand der breiten Masse riskieren um einen kleineren Anteil der körperlich anfälligsten zu schützen. In einem Interview mit Herrn Dibelius im Handelsblatt, wurde das auch schon als Zivilisationsfalle bezeichnet.
  7. Ich fürchte, diese Erkenntnis wird sich aus dem aktuell eingesparten CO2 nicht gewinnen lassen. Was wir hier im Kern ja sehen, ist das, was eigentlich den meisten klar war: Mit Verzicht kriegen wir das Thema nicht gewuppt. Die Wirtschaft ist teilweise runtergefahren, also viele Fabriken stehen still, viele Flugzeuge bleiben am Boden, es fahren weniger Autos auf den Straßen. Wir probieren Verzicht also gerade aus und die Arbeitslosenzahlen werden steigen, auch mit viele Milliarden teuren Hilfsprogrammen und einige Unternehmen werden dichtmachen, viele andere werden eine Weile brauchen um sich finanziell zu erholen und werden gleichzeitig die Rettungsgelder zurückzahlen müssen, die sie erhalten haben. Die Unternehmen haben damit weniger Möglichkeit, in die ökologisch notwendigen Umbauten ihrer Anlagen zu investieren, und politisch wird es schwieriger werden, entsprechende Forderungen durchzusetzen. Ich halte die hin und wieder getätigte Aussage, dass das Klima der große Corona-Gewinner wäre, entsprechend für reichlich kurzsichtig.
  8. Stimmt, wer will schon eine Staublunge. Spaß beiseite, es gibt dies bzgl. auch Unternehmungen in Kanada. Zwei kanadische Krankenhäuser haben einen Preis ausgelobt, für einfach umsetzbare Ideen zum Bau von Beatmungsgeräten mit, das ist wichtig, Dingen die einfach und in großen Stückzahlen zu bekommen sind, deswegen denkt man hier auch bei der Steuerung an Androids, Arduinos oder ähnliche Massencomputer. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Neue-Beatmungsgeraete-gesucht-Belohnung-winkt-wenn-s-flott-geht-4687601.html. Die Autoindustrie ist anderswo allerdings nicht der Motoren wegen interessant, sondern wohl vorrangig weil sie Bauteile auf ihren 3D-Druckern in großen Stückzahlen fertigen können. Diese Maschinen haben dort ja schon lange Einzug gehalten, egal ob es um Schalensitze geht, oder Cockpitelemente.
  9. Dem kann ich nur beipflichten. Habe mir gestern die ersten 11 Episoden reingezogen, fast am Stück. Herr Drosten weiß, wovon er spricht, was nicht nur daran liegt, dass er Virologe ist, sondern auch daran, dass Coronaviren sein Spezialgebiet sind, er leitete ja bereits eine Forschungsgruppe zum MERS-CoV. Ich hatte bereits mit einem anderen Virologen zum Thema Kontakt, auch ein sehr kompetenter Mensch, aber man merkt, dass Herr Drosten deutlich mehr Sachkenntnis in der aktuellen Thematik hat.
  10. Ich würde ja erwarten, dass im Falle von Flugstreichungen zeitnahe Rückkehrflüge für Residents organisiert werden. Malta hat das jedenfalls auch gemacht, nachdem es Flüge etwa von/nach Deutschland, Frankreich und anderen Ländern bis auf Weiteres gestrichen hat. Wie lange die gröbste Phase andauert, wird sich wohl noch herausstellen. Eine von vielen Unklarheiten scheint zu sein, wie sich die Ausbreitung weiter entwickelt, wenn es wärmer geworden ist.
  11. Wenn Eltern sich die Frage stellen, wie sie zur Arbeit kommen, dann denken die nicht nur an sich. Diese kleinen Racker fressen dummerweise sehr viel und kosten auch ansonsten Geld. Dein Worst Case Szenario der infizierten Kinder, die die Großeltern durch den Virus umnieten, erscheint gegenüber der, für viele Familien, sehr realen Existenzsorge, halt doch etwas arg konstruiert und praktisch sehr weltfremd. Viele Berufsgruppen können schlichtweg nicht zu Hause bleiben, selbst wenn man gewillt wäre, die Wirtschaft über den Jordan zu schicken, brauchen wir die Pfleger, Mediziner, Bus- und Tubedrivers, die Polizei, Feuerwehr ja selbst den Supermarkt Kassierer und den, der die Regale einräumt oder den LKW mit dem Toilettenpapier fährt. Die Politik muss sich solche Fragen stellen. Wer selbst keine Verantwortung übernimmt, kann natürlich einfach Maximalforderungen stellen. Davon abgesehen, kann man auch die Schwiegereltern nehmen. Dann halten sich die eigenen Gewissensbisse in Grenzen 😉
  12. In diesem Fall hilft auch regelmäßig trinken, damit Viren die evtl. in den Mund gelangt sind, möglichst zügig Richtung Magen runtergespült werden. Die Magensäure ist ein erwartungsgemäß potentes Desinfektionsmittel. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass regelmäßiges in die Hände übergeben besser wäre, als diese mit Wasser und Seife zu waschen. Da das Virus eine Proteinhülle hat, rückt ihm Seife schon ordentlich zu Leibe. Ich würde mir ja wünschen, dass man Desinfektionsmittel für Krankenhäuser lässt, die brauchen es dringender als Privatpersonen.
  13. Die Gefahr für meine Gesundheit lässt mich eher kalt. Wie bei einer Grippe auch, sind vor allem alte und bereits gesundheitlich angeschlagene Menschen gefährdet und man kann sich durch Händewaschen und dem generell bedachten Umgang mit seinen Händen recht gut schützen. Achtung schlechter Humor: die Rettung für die deutsche Rentenkasse und die Brexiteer-Bereinigung für UK. Wirtschaftlich ... na ja. Der Unterschied, mal abgesehen vom Virus, ist, dass die Welt heute viel vernetzter ist, als sie es 1918 war. Covid-19 ist weder Finanz- noch hauptsächlich Nachfragekrise, mit Ersterem haben wir ja hinreichend Erfahrungen in der Bekämpfung und Nachfragekrisen sind eher selten. Corona ist eher, für uns, eine Zuliefererkrise. Wuhan ist ja auch nicht nur irgendeine Stadt irgendwo in einem fernen Land, sondern ein Zentrum der Display-Panel-Produktion in einem der weltweit wichtigsten Zuliefererländer. Norditalien ist zumindest für die deutschen Hersteller auch ein wichtigerer Lieferant für Vorprodukte. Die Frage ist, ob das Gröbste nun vorüber ist und die Zulieferer langsam wieder in Gang kommen, wonach es derzeit zum Glück in China aussieht, oder ob das dicke Ende noch kommt. Hinsichtlich der langen Schifffahrtswege aus China ist leider schwer einzuschätzen, wann die europäischen Fabriken wirklich in Probleme, also Materialmangel, geraten. Wenn die Fabriken wegen Materialmangel still stehen sollten, haben wir dort dann dasselbe Problem, wie in Hotels und dem Gastgewerbe generell, dass unter Besuchereinbruch leidet und gleichzeitig oftmals stark fremdgeldfinanziert ist, also dieses Geld unbedingt braucht um die Banken zu bedienen, damit nicht, im absoluten worst-case, die Kreditlinien gekündigt werden. Großen Unternehmen, die sich primär über Anleihen finanzieren, könnte die Zentralbank viel einfacher und unbürokratischer Helfen, allerdings nicht durch eine Senkung der Zinsen. Falsches Mittel aus dem Werkzeugkasten. Noch, bin ich aber optimistisch und werte das eher als Zukaufmöglichkeit.
  14. Wobei da ja durchaus die interessante Frage im Raum steht, ob die Öffentlich-Rechtlichen überhaupt Unterhaltung machen müssen. Deren systematischer Vorteil dürfte bei der klassischen Berichterstattung und Dokumentationen liegen, schon alleine weil die Abhängigkeit zur Werbung der Mitbewerber, zu Verwicklungen mit Unternehmen führt. Dem Interessenkonflikt ist eben nur durch Finanzierung des Konsumenten beizukommen und ich habe nicht den Eindruck, dass mich z. B. ARTE hier schlecht beliefert, sicherlich besser als der ganze kostenlose Kram, den ich mir übers Internet besorgen kann und nicht unbedingt schlechter als meine Bezahlpublikationen wie das Handelsblatt, die FT oder der Economist, allenfalls halt weniger Tiefgang, weil für ein anderes Publikum. Ein Blick auf Foxnews reicht im Prinzip, damit die meisten froh sein werden, einen ÖRR zu haben. Anders sieht es dann schon beim Thema Unterhaltung aus. Klar, eine nationale Quote mag ein Argument sein, aber das muss dann auch ein Format sein, das mehrere Generationen anzieht, denn sonst erfüllt es seine Aufgabe mMn nicht, und das ist tatsächlich nicht mehr gegeben. Das ist schon lange vor dem Ende von Tommy Gottschalk verloren gegangen und den Privaten könnte man vielleicht zugutehalten, dass die den nicht viel zu lange durchgefüttert hätten, allerdings leider, auch ohne inhaltlich Besseres stattdessen zu bieten.
  15. Ich stimme dir ansonsten zu, aber ich denke, hier war vor allem die Reihenfolge das Problem. Man hätte schneller aus der Kohle raus sollen und dafür die Kernenergie etwas länger laufen lassen. Gas hat gegenüber Kohle, der Kohleausstieg läuft auf einen Gasausbau hinaus, den Vorteil schneller zu- und abschaltbar zu sein und kann damit Wind und Photovoltaik besser unterstützen als Kohle.
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