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CvC

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  1. Das bleibt aber, in meinem Umfeld, irgendwie abstrakt, etwas, das man dem Interviewer sagt, aber nicht auslebt. In der gelebten Taeglichkeit merke ich nichts davon, obwohl ich mich seit ein paar Jahren in einer Londoner dump rumtreibe. (Mit der hoeflichen Bitte um Entschuldigung an Che fuer das D-Wort)
  2. "Lipstick on a pig" ist mein Lieblingsidiom in diesem Zusammenhang. Interessant finde ich diese Erleichterung, in mir und im Pfundkurs, dass "no deal" abgewendet wurde. Das Resultat ist aber eben dennoch ein Brexit, der mir als Erzeurofoederalisten ganz zuwider ist. Diese Erleichterung ist fehl am Platz, aber eben dennoch da.
  3. Ich finde es unerwartet hoeflich, dass Merkel diesem ausschliesslich an GB gerichteten Bloedsinn eine Antwort gewidmet hat. Die hiesige Regierung spricht ja nicht wirklich mit der EU, sie redet nur mit sich selber und ihrem direkten Umfeld. Wer mal schwer verzankte Kinder gesehen hat, der kennt sowas.
  4. Ich finde das ist zu kurz gegriffen, Kreuzberger. Zwei Seelen wohnen, ach, in deren Brust: Die Hinwendung zu den Waehlern, deren Entsandte die Abgeordneten sind, und dann ihre Rolle als Repraesentant des Sovereigns, den sie vor einiger Zeit ersetzten. Das sind seeleninterne Konflikte, die die alle recht persoenlich fuer sich entscheiden muessen.
  5. Che hat schon recht, im Kreise derer, die ich in jeder Hinsicht gerne treffe sind tatsaechlich mehrheitlich Remainer. Er selber ist ja auch darunter. Ich bin ja neben meiner DiL Mitgliedschaft auch Arbeitgeber. Und da beschaeftige ich doch deutlich mehr Brexiters. Dieses "Nein, Dich meine ich natuerlich nicht, wenn ich gegen Migranten bin", das ist mir sehr gelaeufig als keeper of the purse-strings. Ein "geh doch zurueck in das Dreckloch wo Du hergekommen bist", das habe ich nur einmal gesagt bekommen. Jahre spaeter erfuhr ich, dass dieser Mann dann in einem Tankstellenfeuer verbrannte. Einen inhaltlichen Zusammenhang sehe ich da aber nicht.
  6. Die pessimistischeren Ansichten zu unserer Tragoedie kommen oft aus dem Ausland. Im inlaendischen Alltagsleben erlebe ich zahllose vernuenftige Briten, oft auch kluge. Weil die nicht die Entruestung der radikalisierten Tories und Faragisten mitbringen sind die eher sowas wie eine schweigende Mehrheit. Die werfen eben keine Ziegelsteine, sondern schlimmstenfalls mal eine Milchshake. Und das nur selten.
  7. Ich entsinne mich nicht, je einen einen derart vernichtenden Leitartikel im Economist gelesen zu haben wie gestern. Und das ueber den PM wie auch den Oppositionsfuehrer. Eine leere Mitte wie der hier ungewoehnlich breite Freiraum zwischen Tories und Labour schreit geradezu nach einer Macronbewegung. Das ist mit Firstpastthepost aber schwer. Zwar haelt uns dieses Wahlsystem Ukip und die Brexit Partei aus dem Parlament, aber auch die LibDems. Genau verstehe ich die Wahlmathematik dieses Systems nicht. Es heisst, dass ab 25% ein Jackpot anfaengt, man wird mit Sitzen ueberschuettet. Haetten die LibDems eine vage Chance diesen sweet-spot zu erreichen?
  8. Fuer mich hat dieses ueber den Regeln stehen, nach anderen Regeln als das Volk zu handeln, so wie diese Regierung es tut etwas derart widerwaertig elitaer-britisch-aristokratisches an sich, dass ich inzwischen nicht mehr glaube, dass diese britische Tragoedie nur drauf wartet zB auch in Deutschland gespielt zu werden. Im Kampf gegen die Metropoleneliten fallen die No-Dealers genau denen zum Opfer.
  9. Ist mir schwer vorstellbar, dass das offenbar gesprochener Text war. Ist ja selbst in Schriftform ohne Lesegeduld nicht verstehbar.
  10. Die Frage ist gerechtfertigt, Smirnoff, wie wird das UK der EU schaedlicher, draussen oder drinnen? Laut Ivan Rogers, ex EU Botschafter, sagt, als verarmender, freundloser Spielball zwischen Russland, China und den USA ist das UK gefaehrlicher draussen. Drinnen wuerde man zudem mehr Handel und ein Mass an Mitarbeit in der EU erwarten koennen. Und, das erwaehnt er nicht, muessen bei "drinnen" keine EU-Bauarbeiter in dem ebenfalls streit- und zudem historisch bombungsbereiten Irland Grenzbuden aufbauen. Diese Grenzbuden bauen, das ist so ein Job den ich nicht gerne haette.
  11. Ich finde (mit dem benefit of hindsight), es war irgendwie klar, dass das Parlament sich nicht so einfach entmachten laesst. Wie steht Ihr hierzu: Neuwahlen sind von der Regierung erwuenscht, es wird ein unheimlich polarisiender Wahlkampf, der die Spaltung dieses Landes noch stark verschaerft. Mit Corbyn an der Labouspitze hat die Opposition wenig Chancen. Also staerkt eine Wahl die gegenwaertig schwaechelnde Rechte kraeftig.
  12. Es sind Szenarien denkbar, in denen sich dieser Schlaechter Dominic Cummings zum unbeliebtesten Mann der Nation entwickelt. Irgendwann, irgendwie kommt ein Moment, in dem das Land ploetzlich aus seinem Wahn erwacht.
  13. Weil mir selber nicht mehr einfaellt, da werde ich langsam zu so einem Artikelposter, von Zeugs, das Andere geschrieben haben. Ivan Rogers, unser vorletzter EU Botschafter schreibt sehr gekonnt, finde ich: https://blogs.spectator.co.uk/2019/09/ivan-rogers-the-realities-of-a-no-deal-brexit/
  14. Viel des oben als EU Probleme gekennzeichnetetn sind Probleme der westlichen Demokratien und nicht spezifisch fuer die EU. Multinationale Waehrungsraeume gibt es nicht viele auf der Welt. Der Euro hat aber den IntraEU-Handel stark vereinfacht, trotz der Probleme mit den Kacklaendern in der EU. Und nun wird Deutschland offenbar auch langsam vom Sockel des Eurotonangebers und Euroobenhalters gestossen, weil deren Wirtschaft vielleicht zu autolastig ist. Dem russischen Interesse am Zerfall der EU wuerde ich am ehesten zustimmen, die haben durch das Nato/EU mitverursachte Ende des kalten Krieges doch stark gelitten und wurden ziemlich zerrupft.
  15. https://www.theguardian.com/commentisfree/2019/aug/30/sajid-javid-dominic-cummings-prorogation-government Ich erwaehne diesen Marina Hyde Artikel nur, weil diese Dame ganz gut lesbar und recht handfest schreibt. Ich vermute, dass sie in Wirklichkeit nur die Englischuebersetzerin von Texten ist, die aus der Tatstatur von Tinker B. kommen.
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