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englische Printmedien

Vielen Dank an Frank für seinen Artikel !

 

Die Britische Presse hat den Ruf keine Tabus zu kennen, was für die einen ein Zeichen gesunder Medienfreiheit ist, für die anderen der Abgrund des schlechten Geschmacks am Frühstückstisch. Fakt ist: wer in London lebt und aktiv am Leben der Stadt teilnehmen will kommt nicht drum herum, sich mit den verschiedenen Publikationen bekanntzumachen - wenigstens ein Stück. Im folgenden werden die wichtigsten Zeitungen und Zeitschriften der Britischen Hauptstadt unter die Lupe genommen.

 

The Sun: Von vielen gehasst, ist Ruper Murdoch's Flagschiff auf der Insel seit mehr als 40 Jahren eine Institution. Jeden Tag verkauft sie fast 4 Millionen Exemplare und ist ein Paradebeispiel für das, was man hier eine 'Tabloid' nennt. Neben Promigeschichten und nackten Tatsachen werden mit vorliebe auch grausame und skurille Geschichten verkauft. Bekannteste Schlagzeile: 'Gotcha', als die Britische Marine den argentinischen Kreuzer Belgrano mitsamt Besatzung versenkte. Politisch ist die Sun im rechten Lager anzusiedeln, doch hat sie in den letzten Jahren die Labour Regierung von Tony Blair unterstützt (was vielleicht mehr über Blair als über die Sun aussagt). Einige Konzerne haben in den letzten Jahren versucht die Sun zu kopieren. Herausgekommen sich Zeitungen wie die Daily Star und die Daily Sport, die beide noch mehr nackte Haut und noch weniger Nachrichteninhalt haben als die Sun.

 

Daily Mirror: Das eher linksgerichtete Pendant zur Sun. Der Mirror verkauft deutlich weniger Ausgaben als die Sun, ist aber immer noch eine der meistverkauften Zeitungen in Grossbritannien. Nimmt fast aus Prinzip immer die entgegengesetzte Stellung ein als die Sun, und kopiert sie dennoch. Während die Sun als ihre Hauptleserschaft den 'white van man', zielt der Mirror eher auf junge Frauen.

 

Express: Der Express gehört dem Medienmogul Richard Desmond, der sein Imperium auf Pornozeitschriften und pay-per-view Kanälen aufbaute bevor er in das 'seriöse' Zeitungsgeschäft einstieg. Einst war die Express eine weltoffene Zeitung, doch in den letzen Jahren hat sie sich unter der Führung von Herrn Desmond zu einem extrem reaktionären Revolverblatt minderer Qualität entwickelt.

 

Daily Mail: Der Grund warum die Express keine Chance auslässt über Asylbewerber und die Blair Regierung herzuziehen. Die Daily Mail ist ein konservatives Blatt dass sich nicht als Tabloid sieht aber dennoch eins ist - wenn auch die berühmten 'Page 3' Tittenbildchen der Sun. Die Mail lehrt der Regierung täglich das fürchten mit ihren engstirnigen, vorurteilsbehafteten Artikeln über schwangere 9-Jährige, marodierende Zigeuner und faschistische Brüsseller Bürokraten. Die Mail versteht sich als die Stimme von 'middle England', einer heissbegehrten demografischen Gruppe die in der unteren Mittelschicht und vor allem in kleineren Städten anzusiedeln ist.

 

Daily Telegraph: Wegen seiner konservativen Ausrichtung auch als 'Daily Torygraph' oder 'Daily Taleban' verspottet ist der Telegraph das meistverkaufte seriöse Blatt in Grossbritannien. Hat als Nachrichtenquelle einen guten Ruf, wird aber von jüngeren Leser als etwas altbacken angesehen.

 

The Times: Die altehrwürdige Times hat in den letzen Jahren viel durchgemacht: erst die Übernahme durch Murdoch, dann der Umzug ins Industriegebiet Wapping, und schliesslich die Formatänderung von 'broadsheet' auf Tabloid haben manche Leute Zweifeln lassen ob es mit der Tradition der Times noch viel auf sich hat. Immer noch das Blatt der Beamten, der Geistlichen und der Rechtsanwälte.

 

The Financial Times: Eine relativ junge Zeitung die sich vor allem an die vielen Leute richtet die im Londoner Finanzdistrikt, der City, arbeiten. Markenzeichen: Pinkfarbenes Papier.

 

The Independent: Ebenfalls eine junge Zeitung die vor etwas über einem Jahr mit der Umformatierung zur 'tabloid' grösse den Zeitungsmarkt aufwirbelte. Politisch ist der Indy mitte-links anzusiedeln, doch hat er in den letzten Monaten eine harte Linie gegen die Blair Regierung gefahren.

 

The Guardian: Ursprünglich aus Manchester ist der Guardian das Blatt der Linken - von Intellektuellen bis Gewerkschaftlern. Der Begriff 'Guardian reader' wird von manchen Seiten als Schimpfwort für unbelehrbare Idealisten verwendet. Der Guardian ist inhaltlich und sprachlich eine der innovativsten Zeitungen der Welt und wird dementsprechend oft kopiert und zitiert. Und dennoch hat er eine relativ niedrige Auflage von rund 300,000 Kopien am Tag. Dies macht er mit ihrer weltweit gelesenene und ausgiebigen Webseite (gu.com) wieder weg. Der Guardian ist die einzige grosse Zeitung in Grossbritannien, die einer Stiftung gehört, und somit finanziell vor übernahmen durch andere Konzerne gesichert ist.

 

Sonntagsausgaben: Alle obengenannten Zeitungen (ausser der Financial Times und der Evening Standard) haben Sonntagsausgaben, die jedoch als eigenständige Zeitungen gelten.

 

The Sun - News of the World
Daily Mirror - Sunday Mirror und Sunday People
Express - Sunday Express
Daily Mail - Mail on Sunday
Daily Telegraph - Sunday Telegraph
Times - Sunday Times
Independent - Independent on Sunday
Guardian - Observer

 

Lokalzeitungen: Der lokale Zeitungsmarkt in London ist von einem Monopolisten dominiert - der Evening Standard, der der Daily Mail & General Trust (DMGT) gehört. Der Standard ist eine Abendzeitung die jedoch ihre erste Ausgabe Mittags rausbringt, gefolgt von zwei bis vier weiteren Ausgaben. Die letzte Ausgabe heisst 'West End Final' und ist ab circa 19:00 erhältlich. Als Gegenstück zum Standard gibt es jeden morgen für Pendler eine kostenlose Zeitung namens 'Metro' - ebenfalls im Besitz der DMGT. Neben diesen beiden Zeitungen für ganz London gibt es Zeitungen für die einzelnen Stadteile die ein oder mehrmals die Woche rauskommen, zB das Camden New Journal oder die South London Post.

 

Zeitungen Abonieren: Anders als in Deutschland werden Zeitungen hier nicht über den verlag abonniert sondern über den örtlichen Zeitungshändler. Dieser nimmt für die Lieferung der Zeitung eine Gebühr - abonnieren ist also nicht billiger als einzeln kaufen.

 

Zeitschriften: Der Zeitschriftenmarkt in Grossbritannien ist fast schon lächerlich voll, und dennoch kommen jedes Jahr neue Titeln hinzu. Herauszuheben sind der Economist, Private Eye, The Week, New Statesman, Spectator. Alle, ausser Private Eye, kommen wöchentlich raus, und alle befassen sich mit aktuellen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Themen. Private Eye, das nur alle zwei Wochen publiziert wird, gilt zwar als Satireblatt, beinhaltet aber in jeder Ausgabe eine gründliche Dosis skandalöser Meldungen die sich andere Blätter nicht trauen zu drucken weil sie zuviel Respekt vor den Reichen und Mächtigen haben - oder vielleicht zuviel Angst. Private Eye wird dementsprechen häufig verklagt, gewinnt aber fast jedes Verfahren, und trägt dadurch massgeblich dazu bei dass die britischen Medien ihren Ruf als kritische 'vierte Macht' im Staat bewahren.

 


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Schmidt war ein kostenloses Magazin für Deutsche in London. Bis ca. Sommer 2005 erschien das Magazin monatlich. Leider ist das Magazin eingestellt, die Webseite nicht mehr www.schmidt-london.co.uk.