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Der National Health Service...

(by Frank)

 

Eine ungeschrieben Regel im Leben lautet dass man sich um die wichtigen Sachen erst dann kuemmert wenn es schon fast zu spät ist: die Liebste um Verzeihung bitten, die Stromrechnung bezahlen, den Kram mit der NHS erledigen...

 

Wer mit dem Akronym NHS ("enn-aitsch-ess" ausgesprochen) etwas anfangen kann ist schon mal ein Schritt voraus: NHS steht fuer National Health Service, einer von Aneurin Bevan im Jahre 1948 ins Leben gerufene allgemeine Gesundheitsversorgung, die damals in der Welt ihresgleichen suchte. Kurz zusammengefasst sollte die NHS von der Geburt bis in den Tod um die grossen und kleinen Weh-wehchen der Buerger dieser Insel kuemmern. Bezahlt wurde das ganze aus Steuergeldern. Das ganze ging viele Jahre relativ gut, bis steigernde Kosten und eine alternde Bevoelkerung die NHS im internationalen Vergleich absacken lies. Heute liegt das britische Gesundheitsystem nur noch im internationalen Durchschnitt, und Besucher aus anderen westeuropäischen Laendern sind oft entsetzt über die zum Teil sehr mangelhafte Krankenversorgung, besonders in ärmeren und entlegeneren Gegenden.

 

Als Neuankömmling in London wird man jedoch hoffentlich erstmal keine groesseren Krankenleistungen in Anspruch nehmen muessen. Im folgenden also Tipps und Tricks wie man sich in der NHS zurechtfindet. (NB: Es gibt inzwischen auch viele private Gesundheitseinrichtungen. Mehr dazu am Ende des Artikels)

 


Ich bin neu hier: was steht mir zu?

Wer Staatsbuerger eines EU Landes ist, dem steht grundsaetzlich die gleiche Gesundheitsversorgung zu wie im Heimatland. Das bedeutet: wer in Deutschland versichert ist, der kann auch in London zum Artzt gehen. Leider ist dies den wenigsten Leuten bewusst, und selbst viele Arztpraxen tun sich schwer mit dieser Regelung. Es hilft oft im Heimatland das sogenannte E111 Formular zu bestellen, auszufüllen und mit nach England zu nehmen. Dieses Formular garantiert dass man beim NHS Besuch nicht im voraus zahlen muss sondern die Krankenversicherung in der Heimat die Rechnung erhält. Dies hilft natürlich nur wenn man auch woanders krankenversichert ist. Wer jedoch mehr als sechs Monate im Ausland lebt verliert meist den Anspruch ueber eine Ersatzkasse (zB AOK oder Barmer) versichert zu sein und muss sich entweder privat versichern oder auf die NHS verlassen.


Einen Hausarzt wählen

Obwohl es hier kaum noch Ärzte gibt die Hausbesuche machen, muss man sich bei laengerem Aufenthalt in Grossbritannien bei einem Hausarzt anmelden. Diese heissen hier "General Practitioners", kurz "GP" (sprich "djie-pie"). Der GP muss im selben 'Primary Care Trust' Gebiet sein in dem man wohnt. Derzeit wird im Parlament darueber diskutiert ob sich Patienten auch in der Nähe ihres Arbeitsorts anmelden duerfen sollen, aber das kann noch dauern. Wo die nächste Arztpraxis ist kann man hier herausfinden.

 

Um sich anzumelden ruft man am besten erstmal bei der Praxis an und fragt ob noch Patienten aufgenommen werden. Manche Praxen sind nämlich so überfuellt dass sie keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Am Telefon wird einem gesagt welche Dokumente man zur Anmeldung mitbringen muss. Dies sind meistens die üblichen Rechnungen/Kontoauszuege/Mietverträge auf denen der eigene Name und die Wohnadresse draufstehen. Damit bewaffnet begibt man sich zur Praxis, fuellt einige Formulare aus, und erhaelt einige Tage spaeter dieses oder ähnliches hübsche Pappkärtchen per Post:

 




NHS Formular


Mit der NHS card bewaffnet kann man jetzt zum selben Arzt gehen und einen Termin machen. Klar kann man in dringenden Faellen auch ohne NHS card zum Arzt gehen, vor allem wenn es was ernsteres ist. Aber die NHS card ist quasi der Schlüssel zu den eigenen Gesundheitsakten und deshalb ist es sicherlich sinnvoll eine zu holen. Wechselt man den Arzt bekommt man eine neue Karte ausgestellt.

 

Wer dringend einen Termin beim Arzt braucht kann oft am selben Tag noch einen bekommen, vor allem wenn man in einer Gemeinschaftspraxis angemeldet ist. Leider muss man aber oft eine ganze Weile im Wartezimmer verweilen bis man dran ist: die Termin sind eng gestaffelt und dauert einer mal etwas laenger ist der ganze Zeitplan dahin. Um dem vorzubeugen bauen die Sprechstundenhilfen oft 'Puffer' ein. Werden die nicht gebraucht kommen in der Zeit Patienten ohne Termin dran, sogenannte "drop-ins".