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Arbeit finden


Das original Posting findet sich hier: londonleben.typepad.com/london_leben/2004/02/arbeiten.html

Vielen Dank an Konstantin für seine Erlaubnis !

 

Wer sich ernsthaft damit beschaeftigt, nach London zu ziehen, kommt natuerlich um das Thema Arbeit nicht herum. Abgesehen von der Wohnungssuche ist die Jobsuche die groesste Huerde, die es gibt. Gute Planung kann dabei nicht schaden. London ist riesengross und es stehen einem alle Moeglichkeiten offen. London ist aber auch tough, wenns um das Thema Jobs geht. Die Konkurrenz kann je nach Art der Arbeit verdammt gross sein.

 

Ich will hier jedoch ganz bestimmt keinen abschrecken. Ich habe es geschafft und man kann mir glauben, gnadenlos talentiert bin ich nun ganz bestimmt nicht. Rechtlich ist alles sehr einfach, da man als Deutscher sofort Arbeit antreten kann und fast keine buerokratischen Bloedsinnigkeiten auf einen warten.

 

Meiner Erfahrung nach ist es nahezu unmoeglich, sich von Deutschland aus einen Job zu beschaffen. Die Londoner Arbeitgeber bezweifeln einfach, das der Kandidat auch wirklich willens ist, den Job anzutreten. Schritt eins ist also, hierher zu kommen, damit man zumindest eine Adresse in London hat und hier erreichbar ist. Vor Schritt eins kommt natuerlich das Beherschen der englischen Sprache, logisch, man lernt aber sehr schnell jeden Tag dazu, sobald man erstmal hier ist.

 

Wenn man nicht zu den Gluecklichen gehoert, die einen Job angeboten bekommen haben, braucht man also Startkapital, um die erste Zeit zu ueberbruecken. Wenn es knapp wird, muss man eben einen Aushilfsjob antreten, und das ist zu schaffen, auch wenn man in vielen Branchen gegen das Heer der illegalen Immigranten antreten muss. Wer aber Kapital hat, sollte es gut verwalten, Geld laesst sich hier prima ruckzuck verballern.

 

Je nach Art der angestrebten Taetigkeit gibts viele Moeglichkeiten, sich schlau zu machen. Agenturen, die einen vermitteln, Stellenzeiger, eventuell vorhandene Kontakte usw. usw. Einen grossen Vorteil sollte man immer im Hinterkopf behalten: Die Zweisprachigkeit. Deutsch ist fuer viele Firmen eine wichtige Sprache, da Deutschland nunmal eine starker Handelspartner ist, und die Zahl der deutschsprechende Englaender ist nicht gerade berauschend hoch.

 

Das wichtigste Intrument um einen Job zu finden ist die CV, also der Lebenslauf. Der Lebenslauf ist anders als in Deutschland erheblich umfangreicher und gehoert zu jeder Bewerbung. Das Anschreiben selbst ist nicht so sehr wichtig, die CV zaehlt. Agenturen helfen meist beim Erstellen der CV, ansonsten ist mal wieder der freundliche Mitbewohner gefragt. Viele Firmen fragen ausserdem nach Referenzen, d.h. man sichert sich ab und spricht telefonisch mit dem frueheren Arbeitgeber. Schriftliche Beurteilungen sind hier eher nicht ueblich, sie koennen aber helfen.

 

Wenn man dann erfolgreich einen Arbeitgeber gefunden hat, sind folgende Dinge in der taeglichen Arbeitswelt hier in London anders als in Deutschland:

 

1. Der jaehrliche Urlaub ist in den meisten Faellen nicht mehr als vier Wochen.

 

2. Den sogenanten gelben Schein gibt es hier nicht. Die meisten Arbeitgeber vertrauen darauf, dass man auch wirklich krank ist. Sollte man allerdings fuer laengere Zeit krank sein, muss das ein Arzt bestaetigen.

 

3. Steuern werden pauschal abgezogen, es gibt keinen Lohnsteuerjahresausgleich.

 

4. Die Lohn- oder Gehaltsabgaben sind erheblich niedriger als in Deutschland, netto bleibt einem also mehr.

 

5. Man ist, sobald man uebersiedelt, automatisch ueber die NHS krankenversichert, ganz gleich ob man arbeitslos ist oder nicht.